Fernsehwerbung
RTL kommt mit Vermarktung an

Werbekunden akzeptieren das neue Abrechnungsmodell der Bertelsmann-Sender. Enorme Probleme bei der Werbevermarktung hat dagegen weiterhin Pro Sieben Sat 1, das neue Modell wurde vom Markt abgelehnt. Olympia lässt die TV-Branche kalt.

KÖLN. Die Kölner Sendergruppe RTL kann sich mit ihrem neuen Werbezeitenmodell am Markt offenbar durchsetzen. „Unser Vermarktungsmodell wird von den Kunden angenommen. Durch die Wahlmöglichkeit Direkt- oder Agenturkunde entsteht mehr Transparenz“, sagte Martin Krapf, Chef der RTL-Werbetochter IP Deutschland, dem Handelsblatt. In den vorigen Wochen hat die Sendergruppe ihr neues Fernsehprogramm den wichtigsten Werbekunden vorgestellt. „Das Feedback auf unser Vermarktungsmodell zeigt, dass fast alle Beteiligten gut damit leben können“, sagt der Werbechef.

Die RTL-Vermarktungstochter und ihr Konkurrent Sevenone Media, der die Werbezeiten der Sender der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe verkauft, mussten zu Jahresbeginn ein neues Preismodell starten. Das Bundeskartellamt hatte das frühere Preisrabattsystem als wettbewerbsschädlich diagnostiziert.

Beiden Vermarktern wurde vorgeworfen, mit ihren Rabattsystemen für die Werbeplätze innerhalb der Sendergruppe kleinere Sender aus dem TV-Werbemarkt gedrängt zu haben. Die Sendergruppen mussten nach einem Vergleich an das Kartellamt hohe Strafen zahlen. RTL überwies 96 Mill. Euro; Pro Sieben Sat 1 zahlte sogar 120 Mill. Euro.

Beim neuen RTL-Modell muss sich der Werbekunde nun entscheiden, ob er direkter Vertragspartner sein will oder dies einer Mediaagentur überträgt. Die Konditionen werden nur noch auf Basis der einzelnen Sender individuell vereinbart. Rabatte sind dann verhandelbar. Media-Agenturen bestätigen der Sendergruppe ebenfalls eine hohe Akzeptanz. „Das RTL-Modell ist transparenter und einfacher zu handhaben“, sagt Michael Bohn, CEO von Zenith Media in Düsseldorf.

Enorme Probleme hat hingegen weiterhin Pro Sieben Sat 1 bei der Werbevermarktung. Das neue Modell wurde vom Markt abgelehnt. Werbevorstand Peter Christmann wollte die Rabatte in Form von Freispots für Mediaagenturen komplett streichen und Rabatte nur noch an werbetreibende Firmen vergeben. Damit scheiterte er. „Christmann hat den Markt falsch eingeschätzt. Er hat sich zu stark gegen die Mediaagenturen gestellt“, sagt ein langjähriger Werbezeitenverkäufer.

Mittlerweile hat Christmann das Unternehmen verlassen. Seine Aufgabe hat Vorstandschef Guillaume de Posch übernommen, der aber vor wenigen Wochen ankündigte, bei Pro Sieben Sat 1 zum Jahresende das Handtuch zu werfen. Das Ergebnis des Konzerns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen brach im letzten veröffentlichten Quartal um ein Viertel auf 88,5 Mill. Euro ein.

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