Firmen sehen stärker auf Kosten
Draußen in der Pampa

Der Job im Ausland ist nicht nur Karrieresprungbrett, zeigt eine Studie. Manchmal ist er das Aus.

Jeder Tag ist ein neuer Tag. Nichts ist mehr sicher in einem Unternehmen heute. Länger als drei Monate planen? Lieber nicht. Alte Karriereregeln gelten immer weniger. Jahrzehntelang hieß es: Wer von seiner Firma ins Ausland geschickt wurde, durfte auch sicher sein, dass er anschließend – wieder daheim – die nächste Karrierestufe erklomm.

Das ist heute bei weitem nicht mehr selbstverständlich. Entsandte plagen Ängste, dass ihnen zu Hause die Kollegen die guten Jobs wegschnappen, ehe jemand an sie – weit ab vom Schuss – denkt. Die Befürchtungen sind begründet. Für 13 Prozent der Expatriats hat die Abordnung ins Ausland negative Auswirkungen für die Karriere und für 23 Prozent bleiben die Strapazen ihres Auslandsaufenthalts folgenlos für die Karriere. Dies bestätigt eine repräsentative Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young in Stuttgart, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Befragt wurden 100 Unternehmen, die international tätig sind und mindestens zehn Mitarbeiter jährlich entsenden sowie 135 Mitarbeiter, die bereits Auslandseinsätze hinter sich haben oder gerade absolvieren. Das Fazit: Für Firmen sind die Themen Steuerrecht und Versicherung die größte Herausforderung, die Expatriats dagegen haben die größten Probleme im familiären Umfeld, der Integration vor Ort sowie der späteren Reintegration.

„Ironischerweise ist dem Entsendeten nach seiner Rückkehr der weitere Karriereweg im Unternehmen zunächst oft verbaut – wogegen er für andere Arbeitgeber gerade wegen seiner Auslandserfahrung sehr interessant ist,“ urteilt Mark Smith, Studienverantwortlicher und Partner bei Ernst & Young.

„Eine adäquate Position nach der Rückkehr wird heute immer seltener zugesichert,“ beobachtet Arbeitsrechtlerin Barbara Bittmann von CMS Hasche Sigle. „Heute sind in den Verträgen eher Bemühens-Klauseln und Abfindungsregelungen statt konkreter Zusagen für neue Jobs anzutreffen."

Insgesamt hat sich die Verhandlungsposition für Führungskräfte verschlechtert. Im Zuge der zunehmenden Globalisierung gehören heute Auslandseinsätze in der Vita dazu. Die Studie im Einzelnen: Wunschziele sind zu 71 Prozent innerhalb der EU. 58 Prozent der Befragten bevorzugen Nordamerika – weil es hier am unkompliziertesten ist. 35 Prozent wollen nach Asien bzw. 24 Prozent nach China, 19 Prozent nach Osteueropa, 12 Prozent nach Südamerika, aber nur 7 Prozent nach Russland, nur 5 Prozent nach und nur 3 Prozent nach Südafrika. Die durchschnittliche Verschickung dauert ein bis drei Jahre. Im Detail: Zehn Prozent dauern drei bis zwölf Monate, 61 Prozent bis drei Jahre und 29 Prozent länger.

Unternehmen gucken dabei jetzt stärker auf die Kosten, ist ein Arbeitsplatz im Ausland für sie doch dreimal so teuer wie sonst. Viele verschicken deshalb lieber Junggesellen als ganze Familien rund um den Globus. Doch oft haben die eben nicht genug Erfahrung oder die nötige hochspezielle Qualifikation. NordLB-Personalchefin Gabriele Zabel-Tummescheit sagt: “ Wir schicken den Qualifiziertesten, auch wenn er teurer ist und Familie hat.

„Entsendet wird heute in 83 Prozent der Fälle projektbezogen, also fürs Implementieren einer Software oder Inbetriebnahme einer Maschine – und nicht nur zwecks Kontaktpflege,“ berichtet Smith. Und: So oft wie möglich nehmen die Firmen bei Neueinstellungen lieber Kandidaten zu lokalen Bedingungen unter Vertrag, also zu viel niedrigeren Gehältern und vor allem ohne hohe deutsche Sozialabgaben.

Doch mancher Experte kann sich auch heute noch viel erlauben. Der ungewöhnlichste Fall für Smith war dieser: Eine schwäbische Vertriebsdirektorin Mitte Vierzig sollte nach Schweden gehen. Ihre Bedingung war unverhandelbar: Nur mir meinem Pferd oder gar nicht. Die Firma, die sonst nur den Transport von Hunden und Katzen zahlen musste, ließ sich drauf ein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%