Frauen in Chefetage nach wie vor selten
Akademiker erobern den Mittelstand

Eine Vergütungsstudie der Unternehmensberatung Kienbaum belegt auch den soziologischen Wandel in der Unternehmensführung.

Nach den Großunternehmen sind nun auch in den Chefbüros kleiner Unternehmen die Akademiker auf dem Vormarsch. In Firmen mit bis zu fünf Millionen Euro Jahresumsatz haben inzwischen 66 Prozent der Geschäftsführer einen Abschluss einer Universität oder Fachhochschule.

Vor zehn Jahren lag der Anteil der Akademiker nur bei 49 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Vergütung Geschäftsführer 2003“ der Gummersbacher Unternehmensberatung Kienbaum Consultants International, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Der Siegeszug der Geschäftsführer mit höherer Bildung zeigt, dass kleine und mittlere Unternehmen zunehmend professioneller arbeiten wollen. „Viele Firmen erleben gerade einen Generationswechsel, und an den Nachfolger wird oft ein höherer Maßstab angelegt als an den Gründer“, meint Kienbaum- Partner Arnulf Tänzer. Fanden sich unter den Chefs der alten Generation noch viele Selfmade-Männer, übernimmt jetzt der gut ausgebildete Nachwuchs mit Uni-Diplom das Ruder.

Mit Akademikern als Geschäftsführer wollen sich die Unternehmen für steigende Anforderungen auf internationalen Märkten rüsten. „Viele Firmen müssen sich heute zum Beispiel erstmals einem Rating stellen“, erklärt Mittelstandsexperte Klaus-Heiner Röhl vom Institut der deutschen Wirtschaft den Trend - „Einem Akademiker trauen es die Teilhaber am ehesten zu, solche Herausforderungen zu bewältigen.“

Trotz gleicher Bildung verdienen die Geschäftsführer kleiner Unternehmen aber weitaus weniger als ihre Kollegen in großen Firmen, belegt die Kienbaum-Studie. Die Gehaltsspanne bei den 834 untersuchten Geschäftsführer-Positionen reichte von weniger als 50 000 Euro Jahresgehalt bis zu Beträgen über einer Million Euro. Die Größe des Unternehmens hat dabei den stärksten Einfluss auf die Vergütung der Manager. Je höher Umsatz und Mitarbeiterzahl sind, desto üppiger fällt das Salär der Führungskräfte aus. Weitere Faktoren sind das Lebensalter und die Länge des Dienstalters im Unternehmen. Während ein 55- bis 60-jähriger Geschäftsführer im Durchschnitt 273 000 Euro erhält, kommt ein 35- bis 40-Jähriger nur auf 179 000 Euro Jahresgehalt.

Frauen haben es in großer Zahl noch nicht in die Chefetagen der Unternehmen geschafft. Laut Kienbaum sind lediglich 2,5 Prozent der Führungskräfte weiblich. Das Durchschnittsgehalt der Geschäftsführerinnen liegt um rund 30 Prozent niedriger als das der Männer, da die meisten Frauen kleine Unternehmen leiten.

Im Durchschnitt erhält ein Geschäftsführer 233 000 Euro im Jahr. Damit sind die Gehälter im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent gestiegen. Zwischen einzelnen Branchen zeigen sich große Unterschiede. Am besten verdienen Geschäftsführer in der Chemie- und Mineralölverarbeitung mit 349 000 Euro Jahresgehalt, gefolgt von der Transport- und Logistikbranche mit 298 000 Euro und dem Groß- und Außenhandel mit 273 000 Euro. Die niedrigsten Gehälter beziehen Manager in Unternehmen der EDV-Beratung und Softwareentwicklung mit 168 000 Euro. Nur knapp darüber liegt die Entlohnung in der Papierbranche mit 170 000 Euro Jahresgehalt.

Ausschlaggebend für die Unterschiede sind nur zum Teil die verschiedenen Gehaltsstrukturen der Branchen. Größeren Einfluss hat auch hier die Größe der Unternehmen, hat Kienbaum-Partner Tänzer beobachtet. „In manchen Branchen überwiegen große Unternehmen, in anderen kleine, die ihren Geschäftsführern entsprechend weniger bezahlen.“

Mit 88 Prozent erhält die große Mehrheit der Geschäftsführer eine Kombination aus fixem und variablem Gehalt. Der variable Anteil beträgt dabei im Durchschnitt 27 Prozent des Gesamtbetrags. Die Höhe des Bonus richtet sich meist nach dem Gewinn des Unternehmens. „In den kommenden Jahren wird diese Form der Entlohnung noch zunehmen, weil sie die unternehmerische Verantwortung der Geschäftsführer stärkt und sie zusätzlich motiviert“, prophezeit Tänzer.

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