Frauennetzwerke
Risikomanagement in eigener Sache

Für Frauen ist es in der verkrusteten Welt der Risikohändler nicht ganz einfach. Noch immer sind sie in Positionen mit Leitungs- und Führungsverantwortung unterrepräsentiert – das gilt vor allem für Deutschland. Doch Karrierefrauen wissen ganz genau: Jammern bringt nichts. In Netzwerken sprechen sie darüber, wie sie bei Versicherern die Führungspositionen erobern können.

GENF. Herbstliche Nebelschwaden hängen über dem Genfer See. Es ist noch früh und grau an diesem Morgen im Oktober. Die Uhr zeigt kurz vor Sieben. Drinnen im Fünf-Sterne-Hotel President Wilson, direkt am Ufer, sorgt die Beleuchtung für eine warme Atmosphäre. Der Salon Jupiter im Erdgeschoss ist um diese frühe Stunde für das „Business and Networking Breakfast“ des „Women’s International Network“, kurz WIN hergerichtet. Das Frauennetzwerk des US-Brokers Aon, einer der größten Versicherungsmakler der Welt, erwartet rund 60 Karrierefrauen – und solche, die es werden wollen.

Die ersten Gäste, die im Wilson eintreffen, sind allerdings männlich und nicht ganz freiwillig dort. Denn das Frauennetzwerk trifft sich am Rande einer Tagung der europäischen Vereinigung der Risikomanager „Ferma“, die ebenfalls in Genf stattfindet. Am Abend steigen Cocktail-Partys. Wer da vor Mitternacht ins Bett kommt, ist selber schuld. Es verwundert also niemanden im Wilson, dass es sich bei den Frühaufstehern fast ausschließlich um Herren der gastgebenden Maklerfirma Aon handelt. Die konnten dem charmanten Druck ihrer Kolleginnen offenbar nicht widerstehen.

Die Teilnehmerinnen sind allesamt in der männlich dominierten Welt der Versicherungen zu Hause. Sie nehmen für ihre Firmen an der Ferma-Tagung teil, sind entweder bei Maklern wie Aon, oder aber bei Industriefirmen und großen Versicherungsgesellschaften beschäftigt. Im Mittelpunkt steht heute früh aber nicht das Risikomanagement der Konzerne, sondern das eigene.

Es geht darum, Frauen ein Netzwerk zu bieten, damit sie häufiger den Weg in Führungspositionen finden. Das ist in der verkrusteten Welt der Risikohändler nicht ganz so einfach. Das gilt insbesondere für Deutschland, weniger für die skandinavischen Länder und die USA, wo Frauen in Führungsgpositionen keine Seltenheit mehr sind.

Die Unternehmensberater von McKinsey & Company haben unlängst gewarnt: Wenn die Arbeitschancen für Frauen nicht verbessert würden, könne Europa seine führende Stellung in der Welt in Zukunft nicht halten. 2036 würden 24 Millionen Arbeitskräfte fehlen, wenn die Beschäftigungsraten von Frauen nicht an die der Männer angeglichen würden. Während gut 70 Prozent der Männer arbeiten, sind es nur etwas mehr als die Hälfte der Frauen, heißt es in der im Juni in Berlin vorgestellten Studie.

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