Frauenverdienste
Spaßabschläge und Neigungsstrafen

Sie wollen gut verdienen? Obwohl Sie eine Frau sind? Dann sollten Sie einige Faustregeln befolgen. Dass Frauen 30 Prozent weniger verdienen, gilt nämlich nur im Schnitt. In welchen Branchen „Sie“ wenig verdient – und in welchen fast so viel wie die Männer.

DÜSSELDORF. Erste Faustregel für mehr Geld: Wählen sie lieber ein Großunternehmen als eine kleine Firma als Arbeitgeber. Zweitens, heuern Sie in Unternehmen an, in denen hauptsächlich Männer arbeiten – die bezahlen besser als Unternehmen, in denen viele Frauen angestellt sind. Das rät jedenfalls Wirtschaftsprofessorin Sonja Bischoff aus Hamburg. Drittens, werden Sie nicht müde, immer wieder Gehaltserhöhungen zu fordern.

Der Gehälterexperte Tim Böger, Chef der Hamburger Firma Personalmarkt, berichtet: „Viele Frauen machen genau das falsch.“ Sie hoffen, dass ihr wahrer Wert erkannt wird und ihnen freiwillig mehr gegeben wird – weit gefehlt. Und viertens schließlich, sollte frau ständig prüfen, wie hoch ihr aktueller Marktwert genau ist. Sprich, was andere Unternehmen in vergleichbarer Größe für den denselben Job springen lassen. Liegen Sie darunter, sollten Sie damit argumentieren. Derlei Analysen erstellt zum Beispiel das Geva Institut, sie gibt es aber auch im Internet bei »Handelsblatt.com/gehaltscheck.

Dass Frauen 30 Prozent weniger verdienen, gilt eben nur im Schnitt. Gehaltsprofi Böger berichtet: „Viel stärker fällt ins Gewicht, dass Frauen sich die schlechter zahlenden Branchen selbst aussuchen.“ Große Gehaltssprünge zum Beispiel von 30 Prozent sind für Männer eher im Blickfeld als für Frauen. Frauen sind nicht so fixiert aufs Gehalt wie Männer. Die denken eher in der Kategorie Imponiergehabe. „Ich will einen Porsche vor der Tür haben und zeigen, ich bin cool – das denken tendenziell eher Männer“, beschreibt Böger. Sie definieren sich über ihr Gehalt.

Für die Herren der Schöpfung ist die eigene Verkaufe viel wichtiger als für Frauen. „Denen liegt mehr daran, in guter Arbeitsatmosphäre gute Ergebnisse zu erzielen. Der Output ist ihnen wichtiger als das Ego“, erlebt Böger täglich. Das Ende vom Lied: Frauen müssen dafür eben Spaßabschläge und Neigungsstrafen akzeptieren.





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Ein weiterer Beleg für den kleinen Unterschied: Der Spruch, der immer als Erklärung für den Jobwechsel herhält ist: „Das Angebot war so gut, ich konnte einfach nicht nein sagen“ – und er kommt fast immer nur von Männern. Ebenso wie die vollmundige Ankündigung des 30-Jährigen: „Wenn ich mit 38 noch unter 50 000 Euro im Jahr verdiene, bin ich ein Loser.“ Bögers These ist deshalb: Nähmen Frauen ihr Gehalt wichtiger, verdienten sie auch mehr. Seine Vergütungsberatung Personalmarkt hat exklusiv für das Handelsblatt untersucht, in welchen Branchen Frauen ebenso gut wie Männer bezahlt werden – und wo nicht. Das Ergebnis: Toppen können sie die Männer einzig als Dolmetscherinnen, doch auf relativ niedrigem Niveau mit 38 000 Euro Jahresgehalt im Schnitt. Auf höherem Niveau, aber immer noch mit zehn Prozent weniger kommen Frauen als Leiterin für Forschung und Entwicklung mit Personalverantwortung nach Hause: Mit 66 600 Euro erreichen sie fast 90 Prozent das, was ein Mann für den gleichen Job erhält. Den größten Abstand zwischen den Geschlechtern gibt es bei Geschäftsführern: Frau erhalten nur 72 Prozent von dem, was Männer bekommen.

Frauen, die gut verdienen wollen und einen Job beherrschen, der in jeder Branche gebraucht wird – wie Marketing, Vertrieb oder Personal – sollten in die Software- oder IT- oder Biotech-Branche gehen. Auch in Medizinforschung oder Pharma, in Metallbetrieben, im Auto- oder Maschinenbau, in der Elektronik- Chemie- und Elektrotechnikbranche gibt es vergleichsweise mehr. Deutlich schlechter zahlen dagegen Handel und die Tourismusbranche. Böger: „Und Spaßabschläge müssen Frauen in Redaktionen, bei Kulturbetrieben wie Museen, aber auch in der Bildung hinnehmen – und hier arbeiten viele Frauen.“

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