Führungskräfte
Interimsmanager leiden unter der Wirtschaftsflaute

Wenn Unternehmen umgebaut werden müssen, sind Interimsmanager besonders gefragt. In der Krise müsste die Nachfrage darum eigentlich steigen. Doch weil die Mittel fehlen, besetzen viele Unternehmen ihre offene Führungspositionen verstärkt mit eigenen Kandidaten.

DÜSSSELDORF.Eigentlich müsste die Branche der Interimsmanager boomen: Schließlich brauchen Unternehmen in der Krise rasch Hilfe, um ihr Geschäft zu sanieren und ihren Betrieb neu zu ordnen. Und das nicht irgendwann, sondern jetzt, sofort. Die Manager auf Zeit haben den Vorteil, dass sie binnen Tagen, manchmal sogar Stunden, verfügbar sind. Sie eigenen sich ideal als Sanierer, weil sie weder persönliche Bande im Unternehmen pflegen, noch Karrierepläne dort hegen, "weder Vergangenheit noch Zukunft" haben, wie Interimsmanager Falk Janotta aus Wilhelmshaven sagt.

Trotzdem ist der in Deutschland noch vergleichsweise junge Zweig der Vermittlung von Managern auf Zeit kein Krisengewinner. "Das Geschäft entwickelt sich prozyklisch", sagt Sylvaine Mody, Prokuristin bei den Management Angels aus Hamburg. Wenn die Wirtschaft darbt, haben auch die Personaler weniger zu tun. Das hat Gründe.

Schließlich fällt ein zentraler Teil des Geschäfts jetzt fast völlig weg: Investoren wie Private-Equity-Gesellschaften engagierten in den vergangenen Jahren oft Interimsmanager, um durch sie den Verkauf von Unternehmen oder einen Zusammenschluss abwickeln zu lassen. Doch in der Krise ist der Markt für Unternehmenskäufe zusammengebrochen - schlecht für die Manager auf Zeit.

In der Folge gehen auch deren Vermittler gerade durch dasselbe Tal wie die klassischen Personalberater. Die Aufträge bleiben aus, weil potenzielle Kunden verstärkt nach internen Kandidaten suchen. Sollen es die doch erst mal richten, bevor man sich einen Externen einkauft, so das Credo.

Noch ein grundsätzliches Problem macht den Vermittlern zu schaffen: das schlechte Image der Interimsmanager. Anders als etwa in England ist das Interimsmanagement in Deutschland selbst in guten Zeiten eine Randerscheinung geblieben. "Es gibt immer noch das Vorurteil, Interimsmanager seien gescheiterte Existenzen, die es als fest angestellte Manager nicht geschafft haben", sagt Jens Christophers, Interimsmanager aus Münster. Dieses Urteil sei zu pauschal, sagt hingegen Rüdiger Kabst, Wirtschaftsprofessor aus Gießen und Spezialist für Personalmanagement. Er sagt aber auch, dass "es für viele natürlich eine naheliegende Lösung ist, sich eine Zeit lang als Interimsmanager zu versuchen. Schließlich findet nicht jeder sofort eine neue Festanstellung."

Deshalb wollen auch in der Rezession viele Führungskräfte diesen Weg gehen. Die Management Angels zum Beispiel bekommen "im Moment sehr viele Bewerbungen", sagt Prokuristin Mody. Doch es gibt zu wenig zu tun, gibt sie zu.

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