Führungskräfte
Ruf tot, Karriere tot

Sind Sie ein Manager mit gutem Ruf? Wenn ja, dann können Sie sich glücklich schätzen. Denn nur wer Anstand und Mut beweist, bleibt langfristig im Geschäft. Aber gerade das scheinen viele Führungskräfte zu übersehen.

„Menschen mit hoher Reputation sind vertrauenswürdig, kennen die Erwartungen an ihre Rolle und verhalten sich entsprechend, haben aber trotz aller Konformität doch etwas Besonderes an sich“, definiert Susanna Wieseneder das Geheimnis eines guten Rufs. Die Ex-Kommunikationschefin der Österreichischen Post, Coach und Autorin („Reputationsmanagement – Erfolgreich, weil Ihr persönliches Image stimmt“) resümiert: „Reputation ist ein unschätzbares Kapital, das Türen öffnen kann, das aber auch gezielt gepflegt werden muss.“

Denn: Ein Manager, der nur Abbrucharbeiten und Flurschäden vorweisen kann, wird es schwer haben, woanders anzuheuern. Seine Hypotheken sind allzu groß, sein Ruf eilt ihm voraus und bringt die Belegschaft gegen ihn auf – noch bevor er da ist. Visionäres Gestalten und Aufbruch in die Zukunft traut ihm keiner mehr zu. „Eine Menge Manager haben so viel Raubbau an ihrer Glaubwürdigkeit getrieben, dass sie als Führungskräfte diskreditiert sind. Sie haben den Kontakt verloren. Die Menschen folgen ihnen nicht mehr“, ist das Fazit von Management-Guru Reinhard Sprenger.

Das durfte jetzt zum Beispiel Siemens-Chef Klaus Kleinfeld feststellen. Der einstige Hoffnungsträger des Elektrokonzerns fiel auf einen Schlag bei Mitarbeitern, Anlegern, Politikern sowie Presseleuten gleichzeitig in Ungnade, weil er genau im falschen Moment Angst vor einem Gesichtsverlust hatte. Im Juni 2005 machte die Mobilfunksparte seines Konzerns täglich eine Million Euro Verlust. Öffentlichkeit und Analysten drängten Kleinfeld nach einer schnellen Lösung. Und so präsentierte er die bis dahin unbekannte taiwanische Firma BenQ als Käufer, noch bevor die Verträge unterschrieben waren.

Wie sich erst jetzt herausstellte, nutzte BenQ diese verfrühte Ankündigung, um die von Siemens ohnehin schon großzügig angelegte Mitgift in die Höhe zu treiben. Das Versprechen, den deutschen Handyhersteller zu sanieren, ließen sich die Taiwaner teuer bezahlen. Und nur um das Geschäft nicht platzen zu lassen, ließ Kleinfeld sich unter Druck setzen. Mit gesundem Menschenverstand und Mut zum Neinsagen hätte der Deal auch anders ausgehen können.

So brach die Commerzbank vor einigen Jahren Fusionsgespräche mit der französischen Société Générale durchaus in letzter Minute ab. Die Commerzbanker merkten, dass die Franzosen sie austricksten. Als Sitz des neuen Unternehmens der beiden Fusionspartner in spe waren ursprünglich Paris und Frankfurt gleichberechtigt vorgesehen. Erst als die Verträge kurz vor der Unterschrift waren, soll den Commerzbank-Managern aufgefallen sein, dass die Franzosen heimlich die Worte „... und Frankfurt“ in sämtlichen Schriftstücken gestrichen hatten. Im Gegensatz zu Kleinfeld fehlte es der Commerzbank-Führung nicht an dem notwendigen Selbstbewusstsein, aus dem unseriösen Gebaren ihrer ausländischen Verhandlungspartner instinktiv die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

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