Gefragter Rat von Volkswirten
Als Wissensbroker unverzichtbar

Die makroökonomische Betrachtung der Wirtschaft gewinnt stetig an Bedeutung. Weil Volkswirte global und strategisch denken, haben nicht nur Banken, sondern auch Unternehmen an ihnen Interesse.

FRANKFURT. Frankfurt, Dresdner Bank. Die zehn Nationalökonomen der Abteilung Economic Research üben sich im Sorgenfalten-Ziehen. Ihr Szenario: Der Preis für ein Barrel Erdöl steigt auf 60 Dollar, während der Wert der US-Währung verfällt. Der Dollar ist dabei, die Marke von 1,60 Euro zu testen. Die Aussichten sind düster: mehr Insolvenzen, sinkende Investitionstätigkeit und fallende Kreditnachfrage. „Deutschland stünde am Rand einer Deflation“, urteilt Rolf Schneider, Leiter Economic Research der Dresdner Bank.

Schneider sieht sich und sein Team als unabhängige Berater für Vorstand, Kunden und Institutionen. Analysen und Schlüsse der Ökonomen sind gefragt, denn die Banker liefern harte Zahlen. „Internationale Wirtschaftsentwicklungen, Schocks, Hypes und politische Spannungen führen wir zu Aussagen über mittelfristige Auswirkungen für Unternehmen zusammen“, so Schneider. Die reichen bis hin zu Einschätzungen, in welchen Ländern Produkte der privaten Altersvorsorge aus demographischer und marktpolitischer Sicht interessant sind.

Ortswechsel. Bei der Deutschen Bank ruft Chefvolkswirt Norbert Walter einmal jährlich seine 50-köpfige Mannschaft zusammen, um die Liste der Megathemen zu aktualisieren. „Darauf finden sich unter anderem die Stichworte China, Indien, Demographie und Energie“, erläutert Walter. Die makroökonomische Betrachtung der Wirtschaft gewinnt stetig an Bedeutung. In den nächsten Jahren „werden Volkswirte als Wissensbroker und Analysten mit ihrer Fähigkeit zur systematischen und interdisziplinären Vogelschau unverzichtbar sein“, prognostiziert der 60-jährige Chefvolkswirt.

Walter studierte das Fach einst an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt. Seither hat sich die Wirtschaftswelt grundlegend verändert. „Von Nationalökonomen sollte man nicht mehr sprechen, sondern besser von Internationalökonomen“, bringt Dieter Schädiger, Geschäftsführer und Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Volks- und Betriebswirte (BDVB), den Wandel auf den Punkt.

Die globalen Studien der neuen Volkswirte sind nicht nur bei Banken gefragt. Zunehmend entdecken auch internationale Unternehmensberatungen die Vorzüge der analytisch geschulten Experten. „Sie sind unverzichtbar, sofern sie mehr als theoretisches Gestammel über Makro- und Mikroökonomie zu bieten haben und gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge auf einzelne Unternehmen herunter brechen können“, urteilt Rémi Redley, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU).

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