Gehaltsniveau sinkt 2002 nur leicht
Amerikas Chefs kassieren trotz Krise kräftig

Aktienoptionen sind kein sicherer Weg mehr, um reich zu werden. Dennoch verdienen US-Manager prächtig. Weitere Gehaltssprünge aber sind unwahrscheinlich, wachsame Investoren hoffen auf schärfere Bilanzregeln.

NEW YORK. Der Computerhersteller Apple gilt bei seinen Fans als besonders innovativ. Für Apple-Chef Steven Jobs trifft das zweifellos zu. Er fand zum Beispiel einen kreativen Weg, um sich im vergangenen Jahr ein Gehalt von sage und schreibe 78,1 Mill. $ zu sichern.

Dabei sah es zunächst schlecht aus für Steven Jobs: Seine Aktienoptionen drohten wertlos zu verfallen, weil die Apple-Aktie 2002 um mehr als ein Drittel abstürzte. Doch Jobs tauschte die Optionen kurzerhand in Belegschaftsaktien um. Deren Wert machte den Apple-Chef zu einem der bestbezahlten Manager des vergangenen Jahres.

Wirtschaftsprofessoren preisen Aktienoptionen als ideal, um die Entlohnung der Topmanager an den Unternehmenserfolg zu koppeln. Doch Umtauschaktionen wie bei Apple konterkarieren dieses hehre Ziel. So hat der katastrophale Börsentrend in der Praxis nur die krassesten Exzesse bei der US-Managervergütung begrenzt.

Das Gesamteinkommen der US-Topmanager fiel 2002 um 8,7 % auf durchschnittlich 7 Mill. $. Das ermittelten die Marktforscher von Equilar aus den Pflichtmitteilungen von 333 US-Konzernen, die im Aktienindex S & P 500 notiert sind. Der Rückgang beruhte ausschließlich darauf, dass die Aktienoptionen der Manager wegen der Börsenkrise weniger abwarfen. Dagegen stiegen alle anderen Gehaltsbestandteile – von Boni über Belegschaftsaktien und Zusatzleistungen bis zum Festgehalt. Zum Vergleich: Investoren, die in Aktien des S&P-500-Index investierten, verloren im vorigen Jahr 22,1 % ihres Investments.

Einige Führungskräfte mussten jedoch harte Einbußen hinnehmen. „Mehr als ein Viertel der CEOs bekam 2002 keine Gehaltserhöhung, 18 Prozent gingen völlig ohne Bonus nach Hause“, sagt Michael Kramarsch, Managing Partner von Towers Perrin Deutschland. Towers Perrin analysierte den Gehaltstrend an der Spitze von 75 führenden US-Konzernen, deren Vorstand in 2002 und 2003 nicht wechselte.

Womöglich schlägt der Absturz der Aktienkurse aber auch erst zeitverzögert auf die Managergehälter durch. Jedenfalls sind viele US-Firmen bescheidener geworden. „In der Vergangenheit wollte jeder seine Spitzenkräfte überdurchschnittlich gut bezahlen. Das führte zu einer enormen Aufwärtsspirale“, sagt Towers-Partner Kramarsch. Neuerdings orientierten sich dagegen immer mehr US-Firmen am Mittelfeld. Das ergab die Analyse der Pflichtmitteilungen an die Börsenaufsicht SEC. Darin sind detaillierte Angaben über Vergütung und Gehaltspolitik enthalten. Dies könnte ein klarer Hinweis darauf sein, dass die Zeit der Übertreibungen womöglich bald schon vorbei ist.

Ein weiterer Trend: Aktienoptionen werden als Vergütungsinstrument weniger beliebt. Kein Wunder – denn zum einen sind die Papiere nichts mehr wert, wenn die Aktienkurse in den Keller rauschen. Zum anderen können allzu gierige Chefs durch neue Bilanzregeln entlarvt werden. Denn Investoren achten heute auf den Verwässerungseffekt, den sie durch die Ausgabe frischer Aktien an die Manager erleiden. Zwar tauchen die Kosten der Optionspläne in der Gewinnrechnung der meisten Firmen noch nicht auf, doch dürften die Internationalen Bilanzierungsregeln (IAS) und die US-Regeln (US-GAAP) geändert werden und mehr Transparenz bringen.

Laut einer Studie der Dresdner-Bank-Investmenttochter Kleinwort Wasserstein wären die Nettogewinne der US-Firmen im S&P-500-Index um 46 % niedriger ausgefallen, wenn der Aufwand für Optionen berücksichtigt worden wäre. Genau das ist womöglich bald vorgeschrieben. Eine entsprechende Reform der US-Bilanzregeln und der IAS-Regeln liegt als Entwurf vor. Noch ist allerdings nichts entschieden.

Bislang weisen die meisten Unternehmen die Kosten der Optionspläne nur in den Fußnoten der Jahresabschlüsse aus. Hinzu kommt: Anders als in Deutschland können die Vorstände von US-Unternehmen sich ihre Aktienoptionsprogramme bislang selbst genehmigen, ohne ihre Aktionäre zu fragen. Doch nach der geplanten US-Bilanzreform würde auch dies abgeschafft. Dann bräuchte Apple-Chef Jobs bald wieder all seine Kreativität, um sich ein weiteres rekordverdächtiges Gehalt zu verschaffen.

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