Geldinstitute buhlen um mobile Vertreter – Mitarbeiter dürfen Arbeit am Abend und am Wochenende nicht scheuen
Vom Bankschalter auf die Couch

Es ist acht Uhr abends, es klingelt an der Tür, und herein kommt der Berater von der Bank. Am Küchentisch spricht er mit dem Ehepaar über mögliche Anlagen und rät zu einem Fondssparplan.

Ja, und eine Direktversicherung wäre sicherlich auch eine gute Wahl, bevor die Steuervorteile wegfallen. Und den Freistellungsauftrag müsste man noch erhöhen. Das Formular dafür hat er im Kofferraum.

Ein Wunschtraum frustrierter Bankkunden, die es wieder einmal nicht zu den Öffnungszeiten in ihre Filiale geschafft haben? Nein, das ist der Alltag für Stephan Engel. Der 36-jährige Vater dreier Kinder ist Berater der Postbank Vermögensberatung in Riedstadt. Er besucht seine Kunden zu Hause, am Arbeitsplatz oder in der Lounge am Bahnhof.

Immer mehr Banken setzen auf die mobile Beratung. Statt in der anonymen Filiale sollen die Berater ihre Kunden daheim oder am Arbeitsplatz besuchen – selbstverständlich auch und gerade außerhalb der Öffnungszeiten der Filialen. Schließlich machen ihnen Finanzvertriebe wie AWD und MLP vor, dass man mit dem flexiblen Dienst vor Ort Geld verdienen kann. Die Banken suchen daher händeringend Berater für ihren Außendienst.

Die Citibank will bis Jahresende 200 mobile Mitarbeiter haben. Die Postbank liegt noch unter der 400er-Marke, sieht aber noch Potenzial. Die Deutsche Bank hat die Zahl der selbstständigen Berater seit 1991 von 26 auf heute 1 300 aufgestockt. Tendenz steigend. Das Gleiche gilt für die Commerzbank, für die 350 mobile Berater arbeiten.

„Es gibt eine Renaissance des mobilen Vertriebs“, stellt Jochen Panzer, Unternehmensberater von Towers Perrin fest. Gefragt ist dabei ein neuer Typus Banker. Der klassische Filialmitarbeiter, der darauf wartet, dass der Kunde sein Anliegen zu ihm trägt, hat ausgedient. Heute sollen die Bankmitarbeiter zum Kunden kommen. Damit ähnelt das Berufsbild immer mehr dem von Versicherungsvertretern.

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