Genossenschaftsliche Schule
Lernen wie auf dem Dorf

In welche Richtung entwickelt sich die Schule des Kindes, welche neuen Konzepte werden angeboten, um auf aktuelle Geschehnisse einzugehen? Genossenschaftlich organisierte Schulen bieten Eltern und Lehrern neue Möglichkeiten der Einflussnahme. Zwar gibt es derzeit nur eine Handvoll genossenschaftlich organisierte Schulen - doch das ändert sich.

DÜSSELDORF. Die Schule von Ralf Goebel funktioniert wie ein mittelständisches Unternehmen. Sie verfügt über Vorstand, Aufsichtsrat und Betriebsrat. Anders als seine Kollegen an staatlichen Schulen ist Ralf Goebel auch freier, was die Personalauswahl angeht. Innerhalb von einer Woche kann er gemeinsam mit dem Personalausschuss neue Lehrer ins Team holen - und auch auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen: "Wenn jemand nur Teilzeit arbeiten möchte oder einen Tag in der Woche frei braucht, können wir das vertraglich so regeln."

Der Grund dafür: Das Gymnasium Eichenschule in Scheeßel wird von einer Genossenschaft getragen. Um ihr Kind an der Schule anzumelden, treten Eltern ihr bei und zahlen einmalig einen Betrag von 50 Euro, den sie zurückbekommen können, wenn ihr Kind die Schullaufbahn beendet: "Die meisten lassen ihren Anteil aber bei uns", sagt Goebel. Zurzeit besuchen etwa 1 100 Schüler das Gymnasium in Scheeßel in Niedersachsen, zur Genossenschaft gehören aber 3 700 Mitglieder.

Gegründet wurde die Schule schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als neue Schulen in der Region aufgebaut werden mussten. Ein paar Bauern taten sich zusammen, um ihren Kindern die Chance auf Bildung zu ermöglichen. Sie wählten die Form einer Genossenschaft, um Mitbestimmungsrecht zu bekommen. Die Schulform ist bis heute geblieben.

Für Lehrer und Eltern hat sie viele Vorteile: Als Genossenschaftsmitglieder können sie Einfluss darauf nehmen, in welche Richtung sich die Schule entwickelt und welche neuen Konzepte angeboten werden. Für den doppelten Abiturjahrgang überlegen sie zurzeit gemeinsam, welche Zusatzangebote Schüler brauchen, wenn sie nun schon nach zwölf und nicht erst nach 13 Jahren das Abitur machen. Denkbar sei etwa ein zusätzliches Angebot im Fach Mathematik: "Das Konzept wird gemeinsam mit Eltern, Schülern und Lehrkräften erarbeitet", sagt Wolfgang Goebel.

Doch es gibt auch Nachteile, mit denen die Schule zu kämpfen hat. Vor allem was die finanzielle Ausstattung betrifft. Zwar zahlen die Eltern ein monatliches Schulgeld von 86 Euro, und die Schule wird durch staatliche Mittel unterstützt: "Wir haben aber längst nicht so viel Geld zur Verfügung wie ein staatliches Gymnasium an Kosten verursacht", sagt Ralf Goebel. Deswegen arbeite die Schule mit einer schlanken Verwaltung und sei auf das Engagement der Eltern angewiesen.

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