Gericht erkennt Online-Seminare für Anwälte nicht an
Fortbildung per Internet unzureichend

Die Schleswig-Holsteinische Rechtsanwaltskammer und der dortige Anwaltsgerichtshof (AnwGH) führen ihre Fachanwälte in Sachen Fortbildung an der kurzen Leine

HB GARMISCH. Beide Institutionen haben einem dort niedergelassenen Fachanwalt für Steuerrecht untersagt, die für Fachanwälte obligatorischen 10 Pflichtfortbildungsstunden pro Jahr via Internet zu absolvieren.Die Begründung: Nach der Fachanwaltsordnung seien nur Veranstaltungen anerkannt, an denen eine Vielzahl von Anwälten teilnehmen. Nur die gemeinschaftliche Teilnahme bewirke, dass eine Kommunikation nicht nur zwischen den Dozenten und den Anwälten, sondern auch zwischen den Fachanwälten untereinander stattfinde. Im Übrigen fehle es bei Online-Seminaren regelmäßig an einer ausreichenden Kontrollmöglichkeit, ob derjenige, dem ein Passwort zur Nutzung des Seminars zugewiesen sei, sich auch tatsächlich via Bildschirm fortbilde. Bei konventionellen Veranstaltungen müssten sich die Teilnehmer schließlich in eine Liste eintragen, so dass wenigstens deren physische Anwesenheit kontrolliert werde.

Der Antrag stellende Fachanwalt hatte dagegen argumentiert, die jeweils zweistündigen Online-Seminare, die die Steuerberaterverbände gemeinsam mit der DATEV anböten, ersparten ihm erhebliche Reisekosten und Reisezeit. Durch die Interaktivität der Internetseminare sei zudem sichergestellt, dass die Teilnehmer dem jeweiligen Dozenten jederzeit Fragen stellen könnten. Diesen sehe man dann in einem kleinen Bildschirm. Auch umgekehrt sei es dem Referenten möglich, die Teilnehmer zu befragen.

Doch der AnwGH Schleswig blieb hart. Bei realen Fortbildungsveranstaltungen seien die Teilnehmer nicht nur gedanklich beteiligt, sondern diskutierten untereinander Fälle und tauschten Erfahrungen aus. "Die von dem Antragsteller gewünschte Online-Teilnahme bietet diese Möglichkeit allenfalls eingeschränkt. Eine spontane Diskussion der Teilnehmer mit dem Dozenten oder auch untereinander ist nicht möglich", hob das Gericht hervor. Bis zu einer anders lautenden Entscheidung des Bundesgerichtshofs müssen sich die im Kammerbezirk Schleswig zugelassenen Fachanwälte wohl an diese Vorgaben halten. Denn wer die Fortbildungsnachweise nicht jährlich bei der Kammer vorlegt, läuft Gefahr, die Zulassung zu verlieren.

Aktenzeichen: AnwGH Schleswig 1 AGH 1 / 05

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