Gericht: Hobbys gehen den Chef nichts an: Skiunfälle bereiten Arbeitgebern Sorge

Gericht: Hobbys gehen den Chef nichts an
Skiunfälle bereiten Arbeitgebern Sorge

Skifahren macht Spaß, kann aber auch gefährlich sein. Heribert Gläser von der Auswertungsstelle für Skiunfälle der ARAG Sportversicherung registrierte im Schnitt der letzten Jahre rund 60 000 verletzte Deutsche, die sich im Durchschnitt rund zehn Tage in ärztliche Behandlung oder ins Krankenhaus begeben müssen.

DÜSSELDORF. Die Folge: Viele Mitarbeiter fallen lange Zeit für den Betrieb aus - kein Wunder also, dass sich die Chefs dafür interessieren, was vor allem hochspezialisierte Angestellte in ihrer Freizeit tun.

Doch die Arbeitsgerichte stehen hier auf der Seite der Arbeitnehmer: Grundsätzlich, so die ständige Rechtsprechung, gehen die Hobbys den Chef in einem Einstellungsgespräch nichts an - es sei denn, die Freizeitbeschäftigung ist in seltenen Ausnahmefällen geeignet, sich irgendwie auf den Beruf auszuwirken. Dies gilt insbesondere für besonders gefährliche Sportarten wie Fallschirmspringen, Drachenfliegen oder Autorennfahren. Solche Freizeitbeschäftigungen müssen auf Nachfrage erwähnt werden. Skifahren - auch Trickskifahren und Snowboarden - fallen jedoch nicht darunter.

Ein Skiunfall und ein dadurch bedingter Ausfall in der Firma kann deshalb auch grundsätzlich kein Grund zur Kündigung sein. Doch wer wegen eines Unfalls während der Probezeit längere Zeit ausfällt, hat unter Umständen schlechte Karten. Denn während der Probezeit reicht für eine Kündigung ein sachlicher Grund.

Mancher Arbeitnehmer findet sich allerdings in der genau gegenteiligen beruflichen Situation wieder. Der Arbeitgeber schickt ihn auf die Piste. Denn nicht nur der Golfplatz eignet sich, um Geschäftsbeziehungen zu pflegen. So musste ein Vorstandsassistent einer Versicherungsgruppe an einem Skiwochenende die "Geschäfte fördern", verletzte sich prompt und wandte sich an seine gesetzliche Unfallversicherung - bei der jeder Arbeitnehmer sowie Auszubildender kraft Gesetz versichert ist. Die Unfallversicherung berief sich jedoch auf den Freizeitcharakter des Skifahrens und lehnte eine Regulierung des Schadens ab. Doch das Bundessozialgericht stellte klar: Der Mann habe die Reise im Auftrag seines Arbeitgebers angetreten. Demzufolge war der Sturz ein Arbeitsunfall. Er stand unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung und hatte Anspruch auf Leistungen aus dieser Versicherung.

Nur kurze Freude hatten die Angestellten einer Firma, deren Chef sie zu einem mehrtägigen Skiurlaub auf Betriebskosten eingeladen hatte. Denn das Finanzgericht Nürnberg stellte fest: Aufwendungen des Arbeitgebers für Betriebsveranstaltungen, die 100 Euro pro Arbeitnehmer überschreiten, sind lohnsteuerpflichtig. Das Urteil hält damit an der ständigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs fest, wonach geldwerte Zuwendungen an Arbeitnehmer ohne Berührungspunkte zum Beruf steuerpflichtiger Lohn sind. Die Nürnberger Richter sahen eindeutig den Spaßfaktor im Vordergrund: "Mehrtägige Betriebsveranstaltungen", urteilten sie, "sind auch in der Dienstleistungsbranche unüblich".

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros
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