Geschäftsbeziehungen
Immer lachen, selbst wenn's weh tut

Geschäftsbeziehungen zwischen Deutschen und Briten sind gar nicht so einfach. Nicht nur die unterschiedliche Mentalität – deutsche Ernsthaftigkeit, britische Lässigkeit – erfordert von beiden Seiten Anpassungsvermögen. Es gibt ein paar Klippen, die man am besten gleich umschifft.

DÜSSELDORF. Die Controllerin Gabriele Elsner mag es gerne bunt und kam eines Tages in orangefarbenen Schuhen zum dezenten Hosenanzug ins Büro. Schnell machten ihr die viel sagenden Blicke der britischen Kollegen klar: Der Farbtupfer war keine gute Idee. Darauf angesprochen hat sie keiner. Die 35-Jährige, die gerade ein Auslandsjahr in der England-Zentrale von Siemens in der Nähe von London angetreten hatte, lernte gleich zwei wichtige Dinge. Zum einen, dass Briten trotz des vermeintlich lockeren Stils im Geschäftsalltag Wert auf formelles Auftreten legen. „Dunkle Anzüge entsprechen dem gängigen Dresscode“, schildert Sergey Frank, gebürtiger Russe mit britischem Pass und Partner beim Unternehmensberater Kienbaum.

Zum anderen lernte Elsner, dass Briten höchst subtil kommunizieren und Kritik nie direkt äußern. „Es ist sehr wichtig, die Zwischentöne zu erkennen“, meint Elsner. Wer mit Engländern zusammenarbeitet, muss lernen, aus dem harmlos klingenden Satz „We have a slight problem“ die Warnung zu lesen: Wir können womöglich die vereinbarten Liefertermine nicht einhalten. Oder es bahnt sich eine andere mittlere Katastrophe an. Wer die Dinge beim Namen nennt, kommt nicht weiter.

Tatsache ist: Deutsche Direktheit kommt im Königreich nicht gut an. „Wer mit der Tür ins Haus fällt und gleich zur Sache kommt, wird als unhöflich, ja sogar als ein bisschen bedrohlich empfunden“, stellt Ian McMaster, Chefredakteur des Sprachmagazins „Business Spotlight“ in München fest. Er rät Deutschen, es den Briten gleich zu tun und vor Verhandlungen den Boden erst mit Small talk zu bereiten. „Das lockert die Atmosphäre auf und man lernt den anderen etwas kennen.“ Auch in der Sprache empfiehlt er Zurückhaltung: „’We want’ klingt zu direkt. Sein Tipp: Das Verb aus dem Vokabular streichen und durch „we would like to“ ersetzen.

Ein anderer Stolperstein in den deutsch-britischen Geschäftsbeziehungen ist laut Sergey Frank, „dass Unterschiede in der Verhandlungs- und Managementkultur ignoriert werden“. So ist die Vorstellung der Briten von Verhandlungen eher kooperativ und recht undogmatisch. An den flexiblen Stil ihrer Heimat gewöhnt, staunte die Britin Sandra Ling, Chefin des Flottenkartengeschäfts bei BP in Bochum, anfangs über die deutsche Vorliebe für perfekte Organisation und Schriftliches. „In Deutschland beginnen Meetings meist mit einer Präsentation, in der alles von A bis Z durchgearbeitet ist. Dann wird das Gesagte sehr oft abgenickt und abgehakt.“ Dabei bleibt wenig Raum für Diskussion und Spontaneität. „In England werden Empfehlungen präsentiert und danach wird dazu aufgefordert, Fragen zu stellen“, beschreibt Ling. Da kann es durchaus vorkommen, dass das Ende eines Meetings ein ganz anderes Ergebnis bringt. Auch macht die prozessorientierte, deutsche Arbeitsweise, die sich durch eine akribische Prüfung fast aller Details auszeichnet, Briten mitunter Mühe. Ling: „Bei uns ist Vertrauen die Basis von Geschäftsbeziehungen. Wenn ich meinen Leuten vertraue, muss ich nicht mehr alles schriftlich festlegen.“

Auch die unterschiedliche Mentalität – deutsche Ernsthaftigkeit, britische Lässigkeit – erfordert von beiden Seiten Anpassungsvermögen. Stephen West, ebenfalls Manager bei BP und lange schon in Deutschland, vermisst hier manchmal die Grundbegeisterung. Zum Beispiel für neue Projekte. „Klappt das überhaupt? Könnte das nicht schwierig sein? Neues wird hier eher mit gewissen Portion Skepsis begrüßt“, so West. In England dagegen ist der Enthusiasmus meist groß. Es kann aber sein, dass man nach sechs Monaten noch immer nur darüber redet, während in Deutschland bereits alles läuft. „Ist die Anspannung groß, verfallen wir gerne in Panik und der Ton wird schärfer“, beobachtet Siemens-Frau Elsner. „Engländer dagegen bleiben gelassen nach dem Motto ‚Das schaffen wir schon’ und lockern die Atmosphäre mit einem Scherz auf.“ Humor spielt auf der Insel eine überaus wichtige Rolle. „Briten mögen Scherze – auch in ernsten Situationen,“ erzählt Ian McMaster.

Und englische Kollegen stellen Deutsche in Sachen Humor auch gerne mal auf die Probe. Elsner: „Es kommt schon vor, dass sie Witze über uns machen und dabei schauen, wie der Mann aus Köln oder die Frau aus Berlin reagiert.“ Da hilft nur eins: Mitlachen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%