Geschenk-Richtlinien, damit nichts daneben geht
Einmal im Jahr gibt’s Anerkennung

Secretary Day – Amerikas Bosse ehren eine Woche lang ihre Assistenten. Eine Freundlichkeit, die auch schon mal Sprengstoff birgt.

LOS ANGELES. Viel zu tun heute, begrüßte Alfred Poll, Projektleiter bei Boeing in Los Angeles, seine Assistentin. „Darauf sah die mich an, als hätte ich sie gerade gefeuert. Ich hatte ja keine Ahnung vom Secretary Day“, erinnert sich der Münchner. „Erst zwei Tage später habe ich dann begriffen, dass ich den Tag total unterschätzt hatte. Ich führe meine Assistentin jetzt jedes Mal groß zum Mittagessen aus – und sie darf das Restaurant auswählen.“

In der dritten Aprilwoche feiern Amerikas Bosse traditionell ihre Sekretärinnen. „Secretary Day“ steht noch in den vorgedruckten Jahreskalendern. Nur heißen diese im Land der politischen Korrektheit natürlich längst Administrative Professionals.

Eine ganze Woche lang – in der Staff Appreciation Week – dürfen sich die Angestellten dann von ihren Chefs verwöhnen lassen: mit bezahlten Urlaubstagen, Schokopräsenten, Blumen, kitschigen Stoffbärchen aus dem Internet – und vor allem mit wenig Arbeit. „Die Anerkennung der Assistenten durch den Boss wird sehr ernst genommen“, erzählt Farzad Noori, Finanzbuchhalter aus Santa Monica. Der 34-Jährige will seiner Sekretärin dieses Jahr ein Frühstück am Strand spendieren.

Und Anwalt Steve Schuman aus Los Angeles lädt die gesamte Belegschaft an diesem Tag zum Mittagessen ins edle Ivy-Restaurant in Beverly Hills ein. „Ich komme mir dabei schon ein bisschen komisch vor, weil es natürlich nicht nur dieser eine Tag im Jahr ist, in der wir unsere Wertschätzung gegenüber den Angestellten zeigen sollten“, so Schuman selbstkritisch.

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