Gesunder Schlaf
Wie Sie im Schlaf Karriere machen

Die letzte Auslandsreise von Kerstin Geiger hatte es in sich. In zwei Wochen besuchte die Managerin des Softwarekonzerns SAP drei Länder, acht Städte und 13 Kunden, absolvierte drei Pressekonferenzen in China, Japan und Südkorea und stieg in sechs Hotels ab.
  • 0

Mit allem, so die Vizepräsidentin des Bereichs Discrete Industries, zu dem die Branchen Automobil, Luftfahrt und Anlagenbau gehören, mit dem Leistungsdruck, dem Klimawechsel könne sie gut leben. Doch der Schlafmangel während einer Dienstreise sei "einfach zermürbend". "Ich bin keine gute Schläferin", sagt Geiger. Im Flugzeug könne sie allenfalls dösen. Sie komme dann auf maximal ein bis zwei Stunden Schlaf. Während Kollegen Knock-out-Tabletten einwerfen, die sie für sechs Stunden ausschalten, verzichtet sie aus Angst vor Nebenwirkungen auf Medikamente. Dafür zahlt sie einen anderen Preis: Sie ist chronisch übermüdet.

Wie Geiger geht es ungezählten Managerinnen und Managern. Zeitzonenwechsel bei Auslandsreisen verkürzen die Nächte. Termin- und Arbeitsdruck fressen sich unbemerkt in den Abend hinein. Immer mehr Produktionsstätten rund um den Globus arbeiten rund um die Uhr. Die 24-7-Kultur (24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche) und das dazugehörige Gerät, der Blackberry, fordern ihren Tribut: Schlafmangel wird zum Massenphänomen.

Die Folgen sind gravierend und werden weithin unterschätzt. Wir schmunzeln vielleicht, wenn wir jemanden sehen, der im Meeting einschlummert, auf der Hinterbank eines Kongresses, während der andere seine Podiumsrede hält. Doch Dauermüdigkeit ist alles andere als zum Lachen: Schlaflose sind gereizter, unaufmerksamer, machen mehr Fehler als ihre ausgeruhten Kollegen. Die Leistungsfähigkeit sinkt, räumliches Verständnis schwindet, Konzentration und Merkfähigkeit leiden, Reaktionsgeschwindigkeit und Entscheidungsstärke fallen ab. Aus der Forschung ist längst bekannt: Wer zu wenig schläft, bekommt seine Tagesaufgaben kaum noch geregelt, leidet häufiger an Herzerkrankungen und neigt zu Depressionen, wie etwa Michael Perlis, Direktor des Neurophysiologischen Forschungslabors der Universität von Rochester, 2005 nachweisen konnte.

Was kaum einer weiß: Mangelnder Schlaf verwüstet regelrecht unseren Hormonhaushalt. Wer jede Nacht weniger als vier Stunden schläft, stört die Ausschüttung wichtiger Hormone, wie Cortisol, Melatonin, Leptin oder Prolactin. Das Immunsystem wird geschwächt, die Menschen altern schneller und werden dick.

Seite 1:

Wie Sie im Schlaf Karriere machen

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Seite 6:

Seite 7:

Kommentare zu " Gesunder Schlaf: Wie Sie im Schlaf Karriere machen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%