Gesundheit
Steigt das Einkommen, sinkt der Stresspegel

Trotz aller Verantwortung sind Chefs entspannter als andere. Eine neue US-Studie zeigt, dass ganz oben auch seelische Erleichterung einsetzt, wenn die Aktionäre den geplagten Unternehmensführern hübsche Annehmlichkeiten spendieren.

LOS ANGELES. 70 000 Dollar Gebührenzuschuss für die Mitgliedschaft im Golf Country Club gefällig? Oder lieber einen Scheck über 50 000 Dollar für ein neues Alarmsystem zu Hause? Archer Daniels Midland, einer der größten Hersteller für landwirtschaftliche Nutzmaschinen aus Decatur in Illinois, spendiert solche Kleinigkeiten für den Boss Allen Andreas gerne. Der Chef des Fortune-500-Unternehmens darf auch den Firmenjet nutzen, um seine Familie ins Feriendomizil nach Mexiko zu fliegen.

Ein ist ein süßes Dasein, das die großen Bosse in den USA führen. Selbst pensionierte Chefs wie John Welch von General Electric dürfen sich für 20-jährige Loyalität über ein finanzielles Abschiedspaket von 122 Millionen Dollar freuen. Steven Jobs wurde für drei Jahre unentgeltliche Mitarbeit bei Apple mit einem Gulfstream-Jet für 90 Millionen Dollar belohnt.

Nun müssen die Manager auch hart arbeiten, um so großzügige Bonuspakete zu erhalten. Stress und Management – zwei Elemente, die Hand in Hand gehen, oder? „Das ist so nicht ganz richtig“, sagt jetzt ein Wissenschaftler aus Pittsburgh: Sheldon Cohen von der Carnegie-Mellon-Universität hat in der Fachzeitschrift „Psychosomatic Medicine“ eine Studie veröffentlicht, die in den USA für Aufsehen sorgte. Danach sind es nämlich gerade diese Annehmlichkeiten, die den Stress von Top-Managern stark reduzieren. Vielmehr sind es Menschen mit weniger Geld und niedrigerem Status, die mehr Stresshormone ausschütten.

In der Studie wurden rund 200 Probanden aus allen sozialen Schichten untersucht. Über einen Zeitraum von 24 Stunden wurden die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin untersucht, wurde ihnen zweimal Urin abgenommen und die Konzentration des Stresshormons Cortisol gemessen. Allen Teilnehmern wurden immer wieder dieselben Fragen nach Einkommen, sozialem Netzwerk und Lebenswandel gestellt. Cohen: „Es war erstaunlich: Bei den Teilnehmern mit höherem Salär und besserem sozialem Status lag der Stresslevel viel niedriger als bei Probanden, die weniger verdienten.“

„Natürlich wurde mir im täglichen Job vieles von Mitarbeitern abgenommen. Das half mir unheimlich, Stress abzubauen“, erzählt der Ex- Chairman von Tyson Foods, Don Tyson. Und Top-Manager – obwohl die Verantwortung für eine Firmenleitung auch zu höherer Ausschüttung von Stresshormonen führen kann – erfreuen sich in der Regel daran, in ihrer Position von Rangniedrigeren anerkannt zu werden. „Das hilft dem Ego, streichelt die Seele und führt zu weniger Stress“, urteilt Nancy Alder, Psychologin aus Pittsburgh.

Ganz davon abgesehen, dass sozial niedriger gestellte Manager sich oft um Dinge kümmern müssen, die einem Chef einer großen Firma von anderen abgenommen werden. Alder: „Ein Dienstwagen mit Fahrer ist ein klassisches Beispiel.“ Während der Marketing-Manager sich im eigenen Wagen durch den Verkehr zum Meeting kämpft, kann der CEO in der Limousine bei einem Glas Saft die Zeitungen in aller Ruhe studieren.

„US-Bosse leben oft wie im Schlaraffenland“, sagt ein Manager von Coca-Cola. „Sie haben von vornherein meist Verträge ausgehandelt, die ihnen für den Rest des Lebens Sicherheit geben“, bestätigt Studienleiter Cohen.

Und was senkt den Stresslevel noch? Eine gute Ausbildung bringt in der Regel einen besseren Job, so die Pittsburgher Wissenschaftler. Ein besserer Job bedeutet wiederum ein gesünderes soziales Umfeld, guter Schlaf. Und wenn der Manager dann auch noch weniger raucht, so Cohen, „hat er ein langes stressfreies Leben vor sich“.

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