Großkanzleien
Freshfields sortiert mächtig Partner aus

Von wegen Freunde fürs Leben: Deutschlands größte Kanzlei Freshfields stellt viele ihrer Partner vor die Wahl. Gehen oder zu veränderten Konditionen bleiben – sprich, mit weniger Geld. Betroffen sind vor allem Anwälte mit unprofitablen Rechtsgebieten. Ein strategischer Schritt, der dem Frieden der Sozietät nicht gerade zuträglich ist.

FRANKFURT. Vor die Wahl wurden jetzt viele der 153 Partner bei Freshfields Bruckhaus Deringer gestellt, neben Hengeler eine der beiden deutschen Top-Kanzleien. Freshfields ist nach Köpfen die größte deutsche Kanzlei mit insgesamt 570 Anwälten – weltweit hat der Branchenvierte über 2 000.

Doch jeder fünfte aller Partner weltweit wird von Bord gehen. Davon zwar mancher, um rechtzeitig in Rente zu gehen, weil die Pensionen fortan weniger großzügig sein werden. Aber wie viele sich aufs Altenteil zurückziehen, will Freshfields nicht verraten. „Ende April werden von 506 Partnern weltweit nur noch etwas mehr als 400 übrig sein, also 20 Prozent weniger“, rechnet Konstantin Mettenheimer vor. Er ist einer der drei Weltchefs dieser renommierten Adresse – und der einzige Deutsche, der an der Weltspitze einer Kanzlei dieser Klasse steht. Auf der Mandantenliste stehen Namen wie Thyssen-Krupp, EADS, EnBW, Deutsche Post, Linde, Unicredit oder Siemens. „In Deutschland haben wir im vergangenen Jahr sieben der zehn größten Private-Equity-Transaktionen beraten“, erzählt Mettenheimer stolz.

Zuerst „knirschte es gewaltig im sonst so gut geölten Getriebe der Sozietät“, beschreibt Antje Neumann vom Fachblatt „Juve“ die Atmosphäre bei Freshfields. Immerhin sollen es rund 30 Partner sein, die hier jetzt zähneknirschend ihren Hut nehmen. Partner, die sich bis dahin in einer lebenslangen Gemeinschaft wähnten. Partner, denen zum Teil schon vor der Fusion zwischen Bruckhaus und Freshfields vor sieben Jahren Übles schwante – und die von Anfang an die Angelsachsen fürchteten. Verstand sich Bruckhaus doch als ehrwürdige Traditionskanzlei mit entsprechenden Werten.

Brancheninsider berichten denn auch heute von Solidaritätsbekundungen vieler Partner mit den Abgängern. Doch vor der Wahl gestellt, aus Solidarität ebenfalls zu gehen oder bei einer bald noch profitableren Kanzlei zu arbeiten, dürfte Letzteres wohl das Attraktivere sein, so der Branchenspott. Und ohnehin ist Freshfields nach Clifford Chance und Linklaters nun die dritte Kanzlei, die etlichen Partnern Adieu sagt, die zu wenig einspielen. Denn da liegt der Hase im Pfeffer: Laut dem Fachblatt „The Lawyer Global“ steht Freshfields in puncto Profitabilität weltweit nur auf einem abgeschlagenen Platz 23.

Damit ist die Kanzlei keine gute Partie für die Top-US-Kanzleien, die für Freshfields als Fusionskandidaten attraktiv wären. Denn gerade in den USA wollen sie weiter wachsen. Deshalb sollen diejenigen Partner, die nicht so viel einspielen, nun gehen – oder sich zum Partner zweiter Klasse – Fixed Share Partner, eine Art Junior Partner – herabstufen lassen mit geringeren Bezügen. Wer das ist? Darüber schweigt Mettenheimer eisern. Aber rund 50 Runtergestufte sind es in Deutschland, sagt er. „Wer was für ein Partner ist, soll auch nicht identifizierbar sein, weder extern noch intern“, betont er. Weder getrennte Mail-Verteiler noch Partner-Treffen sollen sein.

Dabei geht es bei den Abgängern nicht um Juristen, die sich zu wenig anstrengen, sondern um solche, die weniger einträgliche Rechtsgebiete betreuen. „Arbeitsrecht, gewerblicher Rechtsschutz oder das Verwaltungsrecht sind Gebiete, wo weniger Einnahmen sprudeln als bei M&A“, weiß Aled Griffiths, Chef des Branchenblatts „Juve“. Quersubventionierung kommt nicht mehr in Frage. Auch nicht bei Geschäftsbereichen, die im Angebot bleiben müssen.

Seite 1:

Freshfields sortiert mächtig Partner aus

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%