Gute Aussichten für Berater
Familienfreundlicher – weil’s nicht anders geht

Die Aussichten für Berater sind so gut wie schon lange nicht. Doch die Jungen sind nicht bereit, ihr Privatleben dem Job zu opfern. Arbeitswochen mit 60 und mehr Stunden und einsame Wochenenden in Hotelzimmern fern der Heimatstadt schrecken ab.

DÜSSELDORF. Soll man heute noch Berater werden? Für Imeyen Ebong, Partner bei Bain & Company, gibt es nur eine Antwort auf die Frage: „Natürlich. Das ist für einen jungen Menschen, der sich für Wirtschaft interessiert, der spannendste Beruf überhaupt. So schnell und komprimiert lernt man in keinem Unternehmen.“

Ebong sollte es wissen. Er selbst hat fünf Jahre bei der Bayern LB gearbeitet, dem Internetableger der Bayrischen Landesbank. 1997 kam er zu Bain. Auch Stefan Eikelmann, der als Partner für den Personalbereich bei Booz Allen Hamilton in Düsseldorf verantwortlich ist, betont, die Arbeit als junger Consultant lässt sich kaum mit einem Karrierestart als Trainee in einem Unternehmen vergleichen: „Drei Jahre in der Beratung bedeuten, bis zu vier unterschiedliche Branchen zu erleben. Man arbeitet dabei auch auf Projekten im Ausland oder mit internationaler Teambesetzung – und das in unterschiedlichen Funktionen. Unsere Berater haben Zugang zu Vorständen oder Geschäftsführung, über den sie wirklich etwas bewegen können.“

Wer sich von dieser Faszination anstecken lassen will, hat inzwischen wieder bessere Chancen. Die letzten Jahre waren für die Branche hart und haben an der Attraktivität von Roland Berger, McKinsey und Co. gekratzt. Viele Klienten strichen die Beratungsbudgets zusammen, luden die Consultants nur noch für kleinere Projekte ein. Etliche junge Berater bekamen deshalb mangels konkreter Projektarbeit kaum eine Chance, die Leistung zu zeigen, die für die nächste Karrierestufe erforderlich wäre.

Stattdessen mussten sie vor allem Klinken putzen und Kunden akquirieren. Traumjob Berater? Das war einmal, meint Markus Pohl, der als Projektleiter die jährliche Absolventenbarometer-Umfrage der Marktforscher Trendence in Berlin betreut. „In der Wahrnehmung der Studierenden hat die Attraktivität der Beratungen durch die Bank nachgelassen.“

Zwar sind die Aussichten für angehende Berater inzwischen so gut wie schon lange nicht mehr. 80 Prozent der 14 000 Beratungen in Deutschland stocken die eigenen Mannschaften auf: Branchenprimus McKinsey will 200 junge Consultants einstellen, Booz Allen 80 bis 100, Bain 60 bis 80, Mercer 70, und selbst kleinere Spezialisten wie die auf Personal- und Führungsthemen spezialisierten Towers Perrin haben 40 Neueinstellungen anvisiert. Doch die Reihen zu füllen wird nicht einfach. Universitätsabgänger können zwar mit einem Einstiegsgehalt von 55 000 bis 57  000 Euro rechnen, mit einem MBA oder einem Doktortitel beginnen die Saläre bei 80  000 Euro. Trotzdem sind immer weniger Absolventen für den Job zu begeistern.

Arbeitswochen mit 60 und mehr Stunden und einsame Wochenenden in Hotelzimmern fern der Heimatstadt schrecken ab. Die wenigsten Bewerber wollen heute bedingungslos an der Laufbahn feilen und das Privatleben jahrelang auf Eis legen. Michael Kramarsch, Deutschland-Chef von Towers Perrin, räumt ein: „Heute gibt es weniger Bereitschaft, sich ohne Wenn und Aber auf die Karriere einzulassen.“

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