Headhunter
„Dann suchen Sie sich doch die richtige Frau“

Immobilienmakler leben davon, dass die Leute umziehen. Headhunter davon, dass sie Unternehmen Spitzenkräfte für andere Unternehmen abjagen. Und so werden beide nicht müde, das Hohelied auf den mobilen Manager zu singen.

DÜSSELDORF. Jüngst ließ das Internetportal ImmobilienScout24 100 Personalberater von TNS Infratest zur Mobilität der Manager befragen. Und siehe da, die Headhunter verrieten, dass im Schnitt jeder zweite vermittelte Kandidat der mittleren Führungsebene für den neuen Job auch umziehen müsste. Bei den Top-Managern seien es über 60 Prozent. Mehr noch: Sie prognostizierten, dass die Zahl der Umzugskandidaten im Mittelmanagement in den nächsten fünf Jahren um 25 Prozent steigen soll.

Wunschdenken? Oder unvermeidbare Folge des Veränderungsdrucks der Wirtschaft? Dabei verrät die Studie, dass Headhunter schon heute ihre liebe Mühe haben, gute Leute nicht nur für einen neuen Job zu begeistern, sondern auch gleich für einen anderen Wohnort zu bewegen. 91 Prozent der Berater berichteten von den Problemen ihrer Kandidaten: dass ihre Partner keinen geeigneten Job am neuen Wohnort finden. 56 Prozent der Berater glauben, dass Manager die Hilfe ihrer neuen Firma bei der Jobsuche für den Partner wichtig fänden. Das Pikante: Schon vor sieben Jahren wurde dieselbe Frage gestellt – mit demselben Ergebnis.

Da ist die hessische Apothekerin, die seit einem Jahr vergeblich in Warschau Arbeit sucht. Ihr Mann leitet 100 Kilometer vor der Stadt ein Pharmawerk. Oder der Vertriebsmanager, der seiner Frau im Auswärtigen Amt in den Mittleren Osten folgte, aber mit 45 hier keinen neuen Job mehr findet. Und da ist die Bibliothekarin, die mit auf die Schwäbische Alb zieht, um fortan arbeitslos zu sein. Hinzu kommt, dass gerade in Deutschland oft schon der Wechsel des Bundeslandes Probleme bereitet – von den Lehrplänen der Kinder bis zum Beamtenjob der Ehefrau. Das ist in anderen Ländern eben kein Problem.

„Viele Unternehmen tun herzlich wenig, um beim Standortwechsel berufstätigen Paaren das Zusammenleben an einem Ort zu erleichtern“, urteilt Karrierecoach Brigitte Scheidt aus Berlin: „Unternehmen delegieren die Lösung an die Betroffenen.“ Immer mehr Paare lassen sich notgedrungen auf eine Wochenendehe ein – nach Expertenschätzungen jedes achte und vor allem Akademiker. Den meisten ist klar: Das Ideal von dem arbeitenden Ehepaar, das sich auch noch um Kinder kümmert, ist in der oberen Etage der Wohlstandsgesellschaft Illusion. Wer es versucht, schafft es kaum bis nach oben.

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Statt den 80 000 Euro teuren Controller, dessen Frau 60 000 Euro im Jahr verdient, dabei zu unterstützen, dass beide am neuen Wohnort einen Neustart machen können, fordern die Unternehmen einfach nur den idealtypischen Manager ein. Ihnen ist das Privatleben ihrer Leute egal. Am liebsten ist Firmen der Familienvater, an den privat keine Ansprüche und Anforderungen herangetragen werden. Im Gegenteil.

„Er soll möglichst nur Befreiung von allen Alltagssorgen erleben. Quasi die perfektere Version von Junggesellen“, weiß Elisabeth Beck-Gernsheim, Professorin für Soziologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Um nur für den Job da sein zu können. „Manager, die über Mobilität Karriere machen wollen, müssen sich eben die richtige Frau aussuchen“, so der Rat eines Personalberaters. Dabei: Die Manager haben längst ihre eigene Bilanz aufgemacht und begriffen, dass die Unternehmen nicht verlässlich sind. Warum umziehen, sein Haus womöglich unter Wert verkaufen, die Kinder die Schule wechseln und den Partner seinen Job aufgeben lassen – mit dem Risiko, in der Probezeit oder kurz danach mit leeren Händen dazustehen, wenn die Firma Pleite geht oder aufgekauft wird. Und die Letzten als Erste gehen müssen. Und mit dem Risiko, dass weder Familie noch Manager in der neuen Umgebung Fuß fassen.

„Vor allem in Konzernen geraten auch Mittelmanager immer öfter in diese Zwickmühle“, sieht Businesscoach Peter Wimmer. „Da ist ein Posten an irgendeinem Standort frei, die Firma macht ein Angebot, und der Manager weiß, die Absage bleibt nicht ohne Folgen. Die Familie aber will nicht mit.“ Also geht er – allein.

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