Headhunter
Jagdfieber wecken

Wer nicht länger auf den Anruf eines Headhunters warten will, kann sich selbst ins Spiel bringen. Der Einsatz lohnt sich – vorausgesetzt, die Wechselwilligen machen alles richtig.

Es geht zu, wie bei einer Kuppelshow: Da ist der Konzern, der Single. Er ist auf Brautschau, sucht eine passende Arbeitskraft. Natürlich sucht er nicht irgendeine. Kompetent soll sie sein und Berufserfahrung haben. Leider hat er keine Zeit, um sich selbst um die Idealbesetzung zu kümmern. Hier kommt der Headhunter ins Spiel. Er sucht nach passenden Kandidaten fürs feste Verhältnis. Doch was, wenn der Kuppler nicht auf einen aufmerksam wird? Dann sollte man sich bei ihm bewerben. Äußerlichkeiten zählen dabei nicht, auf die inneren Werte kommt es an.

Um im Bild zu bleiben: Ein Mauerblümchen ist Sophie Möller (Name von der Redaktion geändert) nicht. Schon zwei Mal ist ihr gelungen, worauf viele ihr Berufsleben lang warten: Sie wurde von Headhuntern in attraktive Jobs vermittelt. Allerdings überließ sie diesen Erfolg nicht dem Zufall: Mit ihrer Initiativbewerbung brachte sie sich selbst geschickt bei Personalberatern ins Spiel: Nach ihrem Wirtschaftsstudium stieg Möller zunächst bei einem US-Konzern ein, sammelte Berufserfahrung und erwarb nebenbei den MBA. Ihre Abschlussarbeit hatte die Arbeitsweise von Headhuntern zum Thema. Dazu befragte Möller zahlreiche Personalberater persönlich. Anschließend nutzte sie die günstige Gelegenheit: „Ich ließ ihnen außer den Studienergebnissen auch meinen Lebenslauf zukommen.“

Diese persönlichen Kontakte zahlten sich prompt aus: Nach nur wenigen Wochen klingelte bei Möller das Telefon, und eine Headhunterin von einer der Top-10-Personalberatungen bot ihr eine Führungsposition bei einer Filmproduktionsgesellschaft an. Drei Jahre später ergab sich für Möller, wiederum über einen Personalberater, erneut die Chance, eine Sprosse höher auf der Karriereleiter zu klettern: Sie übernahm die Leitung eines Geschäftsbereichs einer Aktiengesellschaft. Heute ist die 38-Jährige Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens der Bekleidungsindustrie.

Wie Möller wollen viele ambitionierte Kräfte nicht warten, bis sich ein Headhunter bei ihnen meldet – sie rücken sich selbst ins Visier der Jäger. So gehen beim Branchenprimus Kienbaum Executive Consultans jedes Jahr unaufgefordert 5 000 Bewerbungen ein, schätzt Vice President Wolfgang Lichius. Die Gummersbacher Berater bearbeiten jedes Dokument – egal, ob angefordert oder nicht. Bei kleinen Beratungsunternehmen spielen Initiativbewerbungen ebenfalls eine wichtige Rolle. Die auf Banken spezialisierten Berater von Indigo Headhunters zum Beispiel fischen jede Woche 20 unaufgeforderte Bewerbungsmappen aus ihrem Briefkasten, bei der sich auf PR-Profis konzentrierenden GK Personalberatung sind es 100.

Die Initiativbewerbungen sind bei den Headhuntern insgesamt gern gesehen, denn das Geschäft der Personalberater brummt wie schon seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr. „Für 2007 rechnen wir mit über 60 000 Vermittlungen“, sagt Klaus Reiners. Er ist Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU). Im Jahr 2006 waren es nur 58 000 Stellen, die von Headhuntern mit neuen Kräften besetzt wurden.

Wegen der steigenden Nachfrage gestaltet es sich für die Vermittler teilweise schwierig, ihren Auftraggebern geeignete Kandidaten zu präsentieren. Da freuen sich die Berater über jeden geeigneten Bewerber, der ihnen vor die Flinte gerät. Schließlich geht’s für sie ums Geld. „2006 verfehlten die Personalberater mit einem Umsatz von 1,15 Milliarden Euro nur knapp den Rekord der Jahrtausendwende. In 2007 sind die Umsätze nochmals deutlich gestiegen“, sagt Reiners.

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