Headhunting als Milliarden-Geschäft
Moderne Kopfgeldjäger

In den USA buhlen Headhunter aggressiv um die Gunst von Top-Leuten. Ebenso knallhart durchleuchten sie deren Leben. Bei der Kopfgeldjagd auf seltene Spezies ist fast alles erlaubt, solange es zum Erfolg führt.

LOS ANGELES. Joe McCormack ist ein Headhunter mit Herz. Mit Herz fürs Geschäft. Wenn er sich an einem Kandidaten festgebissen hat, ruft er ihn deshalb auch nicht nur dreimal am Tag an, schickt ihm nette Nachrichten aufs Handy und an die persönliche Mail-Adresse. „Ich versuche auch, so schnell wie möglich ein persönliches Treffen zu organisieren“, so McCormack. Was in Deutschland von manchen als Nötigung abgetan würde, gilt in den USA als tüchtiges Geschäftsgebaren. „Unser Business ist hart umkämpft, wir müssen der Konkurrenz immer einen Schritt voraus sein“, sagt der Geschäftsführer von McCormack & Associates, einer der Top-Rekrutierer in Los Angeles.

Und tatsächlich, im Land der unbegrenzten Jobmöglichkeiten treiben Headhunter ein anderes, ein wesentlich aggressiveres Spiel mit ihren potenziellen Protagonisten, als es in Deutschland denkbar wäre. Headhunting in den USA verläuft ähnlich wie in James-Bond-Filmen: geheime Treffen am Flughafen, verschlüsselte Botschaften auf dem häuslichen Anrufbeantworter – falls der Arbeitgeber doch mithört. E-Mails, die als Werbung oder Spam getarnt sind. McCormack: „Eigentlich ist fast alles erlaubt.“

Anders in Europa: „Dort werben Personalvermittler überwiegend mit Zeitungsannoncen und verlassen sich darauf, auf diesem Wege Kandidaten zu finden. Das bedeutet, dass der Jobsuchende sich meist bei dem Headhunter meldet – in den USA ist das umgekehrt“, so McCormack. Auch die Nutzung des Internets ist in dieser Berufssparte in den USA um einiges weiter fortgeschritten als hier zu Lande.

Alle Bundesstaaten sind gut miteinander vernetzt, es gibt keine Sprachhindernisse. Dementsprechend sind die Datenbanken mit potenziellen Kandidaten in Amerika wesentlich größer. Hinzu kommt, dass US-Manager sehr mobil sind und meistens kein Problem damit haben, von Texas nach Kalifornien umzuziehen – „so sich denn eine Aufstiegsmöglichkeit für den Kandidaten bietet“, berichtet Jay Berger, Chefrekrutierer von Morris & Berger aus Glendale in Kalifornien.

Bill Monahan leitete die Marketingabteilung einer Textilfirma in Houston, Texas. „Eines Tages fand ich auf meinem Anrufbeantworter zu Hause eine Nachricht von einem Headhunter aus Kalifornien vor“, erzählt der 38-jährige Manager. „Zum einen war ich sehr überrascht, überhaupt einen Anruf zu erhalten von einem Recruiter. Zum anderen war ich beeindruckt, dass sich der Headhunter die Mühe gemacht hatte, meine Privatnummer ausfindig zu machen.“ Nach drei Wochen Verhandlungen stand ein Umzug nach Los Angeles an. Heute leitet Monahan die Marketing- und Vertriebsabteilung einer Kaufhauskette, verdient ungefähr 40 Prozent mehr und „genießt die kalifornische Wintersonne“.

Seite 1:

Moderne Kopfgeldjäger

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%