Henley drängt selbst an den deutschen Markt
Bundeswehr-Uni muss um MBA-Partner fürchten

Die Bundeswehr-Uni in München war ein MBA-Pionier in Deutschland. Jetzt wird spekuliert, dass die britische Partner-Schule Henley bald eigene Wege geht.

Professor Rainer Marr von der Universität der Bundeswehr in München war 1989 MBA-Pionier in Deutschland, er schuf das erste „richtige“ MBA-Programm. Damals gründete er die gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung der Weiterbildung (gfw) an seiner Hochschule. Über sie bietet er seitdem einen MBA an: Für Zivilisten, im Fernstudium mit Präsenzphasen.

Möglich war das geworden, weil der Bundeswehr-Professor das Programm in Kooperation mit dem britischen Henley Management College organisierte. Die gfw war dabei der Stützpunkt für die Präsenzangebote und Betreuungspartner der damals 30 Projektstudenten – mit dem Anspruch dem Ganzen auch inhaltlich einen deutschen Dreh zu geben. Henley lieferte die Materialien, korrigierte die Examen und verlieh den MBA-Titel.

Im bayerischen Kultus- und im Bonner Verteidigungsministerium schlugen die Wellen hoch. Doch die Gemüter beruhigten sich: „Solange wir uns nicht in die Titelvergabe einmischten und es ein englischer Titel blieb, war es recht“, erinnert sich Marr. Henley ist dabei nicht irgendjemand. Auf dem maßgeblichen Business School-Ranking der Financial Times gehört die Schule zu den zwanzig besten.

Heute läuft sein MBA-Programm schon im zwölften Jahr. 262 Studenten haben es erfolgreich absolviert. Es gab 173 Abbrecher und 23 sind schlicht durchgefallen. Aktuell studieren derzeit 252 Teilnehmer in unterschiedlichen Phasen.

Der European Executive MBA kostet insgesamt 18 400 Euro. Dabei wird für jeden der insgesamt drei Studienabschnitte einzeln bezahlt. Wer es nicht bis zum Ende schafft, erhält für seine Studienleistung zumindest ein Zertifikat.

„Das Programm ist über die Jahre – mit Teilnehmerschwankungen – stabil gelaufen“, sagt Ralf Schneider, der vor zehn Jahren als wissenschaftlicher Assistent maßgeblich am Aufbau des Studiengangs beteiligt war. 1996 hat er die gfw verlassen und seine eigene Karriere verfolgt. Heute ist Schneider Mitglied der Geschäftsführung von PriceWaterhouse-Coopers Deutschland, wo er die Personalentwicklung und Qualifizierung von 11 000 Mitarbeitern in Deutschland verantwortet.

„Anfang der 90er Jahre hat man bei der gfw einen Boom erlebt, weil es nichts Vergleichbares auf dem Markt gab“, sagt Schneider. Dass es heute nur noch rund 60 neue Teilnehmer jährlich gibt, erklärt er mit der Veränderung des Marktes. Heute gäbe es einfach viel mehr MBA-Angebote in Deutschland. Trotzdem sieht er den Henley-MBA der gfw als Erfolgsstory: Auch ohne großes Marketing habe sich das Programm am Markt gehalten und sei hierzulande noch immer eines der größten berufsbegleitenden MBA-Programme.

Der englische Partner jedoch ist offenbar mit diesen geringen PR-Aktivitäten der deutschen Seite unzufrieden. Es wird sogar darüber spekuliert, dass Henley in Zukunft selbst auf dem deutschen Markt fischen gehen will. „Der Vertrag mit der gfw wird alle drei Jahre neu gestaltet“, bleibt Marr vage. Die Situation verschärft sich dadurch, dass Henley seine eigenen Marketingaktivitäten in Deutschland schon deshalb ausbauen musste, um seine firmenspezifischen Programme an den Mann zu bringen, wozu der gfw die Manpower fehlte.

Dennoch glaubt MBA-Pionier Marr nicht, dass die gfw als Steigbügelhalter ausrangiert werde. Denn für die deutschen Studenten vor allem im süddeutschen Raum sei die unmittelbare Betreuung vor Ort – noch dazu im universitären Ambiente – von nicht zu unterschätzendem Vorteil. „Ganz ohne persönlichen Kontakt geht es eben nicht.“

Doch der ist in jedem Fall beschränkt. „Zwar gab es eine so genannte Starter-Week als Initialzündung in München am gfw und auch für die 10 Lerneinheiten ein Präsenz-Wochenende in der Landeshauptstadt“, sagt Andreas von Schubert, der 1999 seinen MBA an der gfw abschloss. Doch sei der Kontakt sonst eher auf virtuelle Kommunikation beschränkt geblieben, beispielsweise über die Vernetzung durch das Datenbankprogramm. Dort habe er im Chatroom schon mal seine Fragen diskutieren oder auch mal Henley oder die gfw direkt um Hilfe bitten können, so von Schubert.

Die positive Kehrseite der Medaille ist, dass ein solches MBA-Programm absolviert werden kann, ohne den Beruf aufzugeben. Doch „die zeitliche Konkurrenz zum Beruf stellt eine besondere Anforderung dar“, berichtet Ralf Schneider aus seiner doppelten Erfahrung. Deshalb würden Abbruchraten im Fernstudien-Bereich immer höher sein als bei Präsenzprogrammen. Jedoch hätten auch Leute, die Mitte 30 bis 40 Jahre alt sind – das durchschnittliche Teilnehmeralter des gfw-Programms liegt bei 34 – noch eine Chance ihrer Karriere eine andere Richtung zu geben. Das mache das gfw-Angebot gerade für Naturwissenschaftler und Ingenieure besonders interessant. Ihr Anteil liegt nach gfw-Angaben bei 46 Prozent; 20 Prozent der Teilnehmer haben sogar promoviert.

Ralf Schneider, der bei PWC auch für E-Learning-Aktivitäten weltweit zuständig ist, hält den Henley-MBA für eines der „drei führenden berufsbegleitenden Fernstudien-Programme weltweit“. Die Stärke des Programms, an dem rund 5 000 Leute aus aller Welt teilnehmen, sei die Integration der Praxis in die Lehrmodule. Am Ende der zehn Fächer (die in drei Einheiten mit eigenem Abschluß in zweieinhalb bis drei Jahren absolviert werden können) müsse man immer als Examen eine fachspezifische Arbeit über eine Situation aus dem eigenen Unternehmen schreiben. Henley korrigiert dann die Arbeit und garantiert auch die Vertraulichkeit der Information. „Das ist die wirkliche inhaltliche Integration ins Berufsleben“, meint Schneider.

Gleichwohl hält sich die Wirtschaft zurück, was die Unterstützung eines MBA-Studiums an der gfw betrifft. Nur 30 Prozent der Teilnehmer werden nach Angaben von Professor Marr von ihren Unternehmen finanziell gesponsort, und das oft auch nur teilweise.

Dennoch ist der Henley-MBA der gfw heute ein ausgereiftes Angebot. Es sei immerhin die vierte Generation des Programms, sagt Marr. Man habe Erfahrungen, wie zu große Arbeitsbelastung oder zu langes Studium, eingearbeitet. Gleichwohl kämpfe er selbst nach wie vor in den Henley-Gremien um eine deutsche Handschrift in gewissen Bereichen. Denn abgesehen von einigen Case-Studies und vereinzelten Schwerpunkten im Personalmanagement kommt das Programm, wie auch alle englischsprachigen Lehrmaterialien – also Lehrbücher, Arbeitsbücher, Kassetten, CD-Roms – von Henley selbst. Wie vielleicht demnächst das gesamte Programm...

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