Höchste Zahl von Klagen in Sachsen-Anhalt
Ostdeutsche klagen Löhne öfter ein als Westdeutsche

Ostdeutsche Arbeitnehmer ziehen nach einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) öfter wegen ausstehender Löhne vors Arbeitsgericht als ihre Kollegen im Westen.

HB LEIPZIG. Während es im vergangenen Jahr im Osten 8,6 Entgeltklagen je 1.000 Arbeitnehmer gab, habe die Quote im Westen bei 4,6 gelegen, berichtete der MDR am Montag vorab aus einer Erhebung des Fernsehmagazins "Umschau". Am häufigsten zögen Arbeitnehmer in Sachsen-Anhalt vor das Arbeitsgericht, wenn der Lohn ausbleibt.

Im Bundesdurchschnitt lag die Klagequote im vergangenen Jahr bei 5,4 Klagen je 1.000 Arbeitnehmer. Das entspricht dem MDR zufolge einer absoluten Zahl von rund 184.800 Verfahren wegen ausstehender Löhne. Ihren ersten Platz in der Statistik erklagten sich die Sachsen-Anhalter mit 10,5 Klagefällen je 1.000 Arbeitnehmer. Mit rund 9,1 Klagen je 1.000 Arbeitnehmer liegt Thüringen auf Platz zwei. Dann folgen Berlin (8,9) und die anderen ostdeutschen Bundesländer Brandenburg (8,8), Sachsen (8) und Mecklenburg-Vorpommern (6). Am seltensten sind diesen Angaben zufolge Arbeitnehmer in Baden-Württemberg (3,6), Bayern (4,1) und Niedersachsen (4,4) im vergangenen Jahr vor Gericht gezogen.

Wie es weiter hieß, vermutet der Deutsche Gewerkschaftsbund, dass viele kleine und mittelständische Betriebe im Osten wegen der schwierigen wirtschaftlichen Situation eher Löhne zurückhielten als darauf zu verzichten, Kredite zu bedienen oder Lieferanten zu bezahlen, um den Betrieb nicht zu gefährden. Dadurch komme eine höhere Zahl von Klagen zu Stande.

Der MDR zitierte zudem DGB-Arbeitsrechtsexpertin Martina Perreng mit der Aussage, dass viele Konflikte um ausstehende Löhne im Osten wegen des geringen gewerkschaftlichen Organisationsgrades der Arbeitnehmer vor Gericht geklärt werden müssten, statt auf betrieblicher Ebene. "Wo sich Betriebsrat oder Gewerkschaft nicht kümmern können, muss der Einzelne tätig werden und sein Recht einklagen", so der DGB.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sah einen Zusammenhang der Entgeltklagen mit der Zahl der Unternehmenspleiten. Diese sei gerade in Sachsen-Anhalt mit 257 Insolvenzen auf 10.000 umsatzsteuerpflichtige Unternehmen am höchsten. Die höhere Anzahl der Klagen sei Folge der höheren Zahl der Unternehmensinsolvenzen, sagte BDA-Sprecher Uwe Mazura.

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