Hohe Bonuszahlungen bei kurzfristigen Erfolgen
Deutsche Vorstände sind beim Gehalt Spitze

Die Vorstände deutscher Aktiengesellschaften erhalten deutlich höhere Bezüge als ihre Kollegen in anderen europäischen Ländern. Allerdings übertrifft die Vergütung von US-Spitzenmanagern die deutscher Vorstände erheblich.

rps/toe/som/mjh DÜSSELDORF. Einen unangefochtenen Spitzenplatz nehmen die deutschen Vorstände bei den Bonuszahlungen ein, die für kurzfristige Erfolge gezahlt werden. Hier rangieren sie sogar deutlich vor ihren US-Kollegen. Das ist das Ergebnis einer dem Handelsblatt vorliegenden Umfrage der Vergütungsberatung Hay unter 303 börsennotierten Aktiengesellschaften mit einem Mindestumsatz von einer Milliarde Euro. Hay zählt weltweit zu den fünf größten Vergütungsberatungen für Spitzenkräfte.

Das Salär der deutschen Spitzenmanager liegt in diesem Jahr um 30 Prozent über dem der Manager in Ländern wie Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden oder Italien – und rund ein Drittel unter dem der US-Kollegen. Während die am kurzfristigen Erfolg orientierten Bonuszahlungen bei den deutschen Vorständen im Durchschnitt 34 Prozent der Vergütung ausmachen, liegt dieser Anteil bei den US-Kollegen bei 20 Prozent. Auch im europäischen Vergleich nehmen die Deutschen bei den kurzfristigen Boni einen unangefochtenen Spitzenplatz ein.

Rechnet man die Boni für langfristige und kurzfristige Erfolge zusammen, liegen diese in Deutschland mittlerweile in den meisten Fällen deutlich über dem Fixgehalt. In Einzelfällen übersteigen sie dieses sogar um ein Vielfaches.

Das Ziel, das deutsche Manager erreichen müssen, damit sie in den Genuss von Bonuszahlungen kommen, ist oft nicht sonderlich hoch gesteckt. Nach Beobachtung von Hay werden in einigen Dax-30-Unternehmen Boni bereits ausgezahlt, wenn nur minimale Vorgaben – etwa ein Gewinnwachstum von einem Prozent – erreicht werden. In Einzelfällen seien sogar Boni gezahlt worden, wenn der wirtschaftliche Erfolg noch unter Plan lag. Allerdings haben die Vorstände vieler deutscher Aktiengesellschaften in diesem Jahr deutlich bessere Ergebnisse vorzuweisen. Nach übereinstimmenden Berechnungen der Finanzdatenanbieter Thomson First Call, JCF und Ibes zeichnet sich bereits vor Ende des vierten Quartals ab, dass die 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) ihre Gewinne im Vergleich zu 2003 um rund 60 Prozent steigern können. Das ist mehr als in den USA und Rest-Europa.

Wer bei der Vergütung konkrete Zahlen pro Vorstandsmitglied sucht, stochert in Deutschland in vielen Fällen im Nebel. Nur einzelne Vorstandschefs beziffern ihre Bezüge. Adidas-Chef Herbert Hainer verdiente 2003 nach eigenen Angaben 1,5 bis 1,8 Mill. Euro. Der Chef des im M-Dax notierten Druckmaschinenherstellers Heidelberger, Bernd Schreier, nennt einen Betrag von 912 000 Euro. Die Deutsche Bank weist die Bezüge ihres Vorstandschefs Josef Ackermann mit 11 Mill. Euro aus. Nach Berechnungen von Finanzprofessor Reinhart Schmidt von der Uni Halle-Wittenberg verdiente Daimler-Chrysler Chef Jürgen Schrempp 7,63 Mill. Euro.

Die Mehrzahl der Dax-Konzerne weist die Bezüge ihrer Vorstandsmitglieder nicht individualisiert aus. Damit setzen sie sich über den Corporate-Governance-Kodex hinweg, der im Sinne transparenter Unternehmensführung die Veröffentlichung der Bezüge jedes einzelnen Vorstandsmitglieds empfiehlt. Nur neun der 30 Dax-Unternehmen halten sich daran. Weitere zwei Unternehmen nennen das Gehalt des Vorstandsvorsitzenden. 19 Unternehmen veröffentlichen lediglich die Gesamtbezüge des Vorstands.

Aber selbst die veröffentlichten Zahlen spiegeln nicht die ganze Wahrheit wider. „Sie beinhalten nie die Altersbezüge“, sagte Vergütungsexperte Heinz Evers von der Unternehmensberatung Kienbaum. Die Altersbezüge der Aktiven seien nur sehr selten ausgewiesen und auch nicht aufschlüsselbar. Allerdings sinken die Altersbezüge nach seinen Beobachtungen. Früher hätten sie 60 Prozent des Fixgehalts ausgemacht, heute lägen sie bei rund 45 Prozent.

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