Homosexualität
Kein Schonraum mit rosa Schleife

Homosexuelle fühlen sich im Job oft zurückgesetzt – allen Gesetzen und Diversity-Programmen zum Trotz. In konservativen Branchen wie der Industrie und in Großunternehmen zeigen sie sich am verschlossensten. Wer ganz nach oben will, wagt selten, sich zu outen. Doch die Situation bessert sich langsam.

DÜSSELDORF. „Jetzt geben Sie doch endlich zu, dass Sie schwul sind“, mit diesen Worten wurde Frank Pietzka, Projektcontroller in einem Berliner Großunternehmen, eines Tages von seiner Chefin überrumpelt – und zwangsgeoutet. „Sie war absolut tolerant, aber mein Schwulsein verbreitete sich danach wie ein Lauffeuer in der Firma.“ Schlüpfrige Anspielungen auf Teamsitzungen parierte Pietzka mit Humor. Irgendwann aber spürte er, dass er als Homosexueller in den geschlossenen Karrierezirkeln außen vor blieb. Seit drei Jahren ist der 45-Jährige als Immobilienberater sein eigener Chef. „Ich wollte mich frei entfalten können.“

Indem sie Ausgrenzung und Benachteiligung tolerieren, vergraulen viele Unternehmen wertvolle Mitarbeiter – nur weil sie anders leben als der Mainstream. Dreiviertel aller Homosexuellen hier zu Lande haben wegen ihrer sexuellen Orientierung Ungleichbehandlung im Job erlebt. Jeder Zehnte hat sich sogar schon stark diskriminiert gefühlt – etwa durch Psychoterror oder körperliche Gewalt.

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Das ist das Ergebnis einer Befragung von 2 230 Schwulen und Lesben – jeder Dritte davon in Führungsposition – durch das Psychologische Institut der Universität Köln. „Out im Office?!“ ist die erste umfangreiche Studie über die Arbeitsplatzsituation Homophiler seit zehn Jahren und die erste seit Bestehen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Dies verbietet Benachteiligung wegen der sexuellen Identität sowie sexuelle Belästigung.

„Heute kann ich offener mit meiner sexuellen Orientierung am Arbeitsplatz umgehen als vor zehn Jahren“ – davon sind die meisten Befragten überzeugt. Trotzdem: „Die Hälfte der Schwulen und Lesben ist im Job verschlossen, das heißt, sie offenbaren sich keinem oder nur ganz wenigen“, berichtet Studienautor Dominic Frohn. Überraschend: Nur 13 Prozent der Homophilen bekennen sich in der ganzen Firma zu ihrer sexuellen Identität – genauso wenige wie vor zehn Jahren. Michael Stuber, Diversity-Berater von Ungleich Besser: „Die deutlich gestiegene Offenheit beim Thema sexuelle Orientierung hat noch nicht zu einer spürbaren Akzeptanz im Arbeitsleben geführt.“

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