Hotelkette Four Points
Der CBO ist nur fürs Bier da

In der Riege der amerikanischen Führungskräfte-Abkürzungen ist er ganz neu: Neben dem CEO, dem CFO und dem COO gibt es jetzt auch den CBO – den Chief Beer Officer, eine originelle Erfindung der zum Starwood-Hotelimperium gehörenden Herbergsmarke Four Points. Die will sich mit dem CBO aus dem internationalen Einerlei von Bett und Bad hervorheben.

DÜSSELDORF. Es gibt ihn leibhaftig, und bislang ist er der einzige Träger dieses Titels auf der ganzen Welt: Scott A. Kirkmans heißt er. Ein junger sportlicher Mann mit offenem Gesicht, den man sich mangels Bierbauch eher beim Joggen als an der Theke vorstellen mag. Und doch: Scott ist ein Experte in Sachen Bier wie hierzulande wohl nur altgediente Braumeister. Er hat einschlägige akademische Weihen und Berufserfahrungen aus vier Brauereien in den USA.

So wurde Biertrinken sein Metier, und der Bierbauch? „Gegen den kämpfe ich regelmäßig im Fitness-Studio an“, sagt Scott lachend. Rund durch den nordamerikanischen Kontinent hat er die Gerstensäfte vieler der 2 400 Kleinbrauereien schon probiert. Nicht einfach nur geschluckt, sondern sie kritisch getestet: erst geschnuppert, dann beäugt und schließlich probiert. Mit Maßen versteht sich. Maximale Dosis: 0,1 Liter, also ein halbvolles Glas der kleinsten üblichen Gebindegröße.

So maßvoll war Scott zuletzt aber nicht. Auf dem Oktoberfest in München lernte er jetzt die richtige Maß kennen, von der er nach anfänglicher Scheu gleich mehrere stemmte. Aus Anlass der bayerischen Biertrinker-Olympiade hatte ihn Four Points, in Deutschland mit einigen Stadthotels vertreten, erstmals in eines der Mutterländer des Gerstensaftes einfliegen lassen.

Natürlich nicht ohne geschäftlichen Hintersinn: Der CBO steht für eine Marken-Initiative „Best Brews“, mit denen sich die Kettenhäuser in ihren Bars und Restaurants mit gepflegt Gezapftem auch in Deutschland von der reichlich vorhandenen Konkurrenz im Drei-Sterne-Hotelsegment unterscheiden wollen. Was auf den ersten Blick wie Eulen nach Athen tragen aussieht, hat dabei schon seine Ansprüche. Mindestens vier Biere frisch aus dem Fass und weitere zwölf Sorten in der Flasche muss ein Hotel anbieten, will es zu den „Best Brews“-Häusern zählen.

Die Rolle von CBO Kirkmans ist dabei klar. Vor allem in den USA, wo drei Großbrauereien den Biertrinkern eher fade schmeckende Produkte anbieten, berät er die Food & Beverage-Manager der Hotels bei der Auswahl meist regionaler Gerstensäfte aus den kleinen, aber boomenden Hausbrauereien. Der Zehn-Wochenstunden-Job des jungen Manns ist damit noch nicht erschöpft. „Ich gehe oft in die Hotels und mache dort Partys für die Gäste“, berichtet er. Bierprobe statt Weinprobe also, das ist jenseits des Großen Teichs schon ganz schön exotisch, erzählt der CBO, der im Hauptberuf für ein Biermagazin namens „Draft“ arbeitet. Ein einschlägiges Produkt, steht der Titel doch für frisch vom Fass Gezapftes. Typisch amerikanisch wurde der CBO gekürt: In einem gewaltigen Medienspektakel hat die Hotelkette ihn aus 7 800 Bewerbern aus 31 Ländern ausgewählt. Im Online-Test bewies Scott umfassendes Bier-Know-how, und in einem selbstgedrehten Video ging er mit den Zuschauern auf Brauereitour.

Das Oktoberfest war für Kirkmans zwar exotisches Neuland, im übrigen aber kaum mehr als eine Aufwärmrunde. Vom 11. bis 13. Oktober geht's in Denver, Colorado, richtig zur Sache um Hopfen und Malz: Auf dem Great American Beer Festival werden 40 000 Gäste erwartet zum großen Wettbewerb – nicht der Trinker, sondern der Tester: 150 Juroren werden 2 800 Biersorten testen.

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