Immer mehr Anwälte und Notare von Pleite bedroht – Schnelles Handeln rettet die Zulassung
Der clevere Freiberufler schlägt der Insolvenz ein Schnippchen

Die allgemeine Wirtschaftskrise macht auch vor Anwälten und Notaren nicht halt: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist zwischen Januar und April diesen Jahres bereits bei 30 Kanzleien ein Insolvenzverfahren eröffnet oder mangels Masse abgewiesen worden. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 19.

HB KARLSRUHE. Gerade bei Anwälten und Notaren ist das besonders fatal: Kommt es nämlich zu einem Insolvenzantrag vor Gericht, droht wegen der Gefährdung von Vermögensfürsorgepflichten für Mandantengelder der Entzug der Zulassung. "Oberstes Ziel ist daher der Erhalt der Zulassung durch eine schnelle Schuldenbefreiung", sagt die auf Insolvenzrecht spezialisierte Berliner Anwältin Heike Hartmann von der Kanzlei Beckmann & Sozien.

Freiberufler vor der Pleite: Die Gründe dafür liegen meist im Privaten. Wie andere auch, haben sie in den neunziger Jahren ihr Geld in Immobilien und an der Börse investiert und bekommen jetzt finanzielle Probleme. Tauchen die ersten Finanzlöcher auf, stecken viele den Kopf in den Sand oder wollen es alleine schaffen.

Ein großer Fehler, denn wer noch ein Restvermögen und einen laufenden Betrieb hat, kann mit dem blauen Auge davon kommen - wenn er rechtzeitig Hilfe sucht.

Doch es muss schnell gehen, und so ist oftmals für eine außergerichtliche Einigung keine Zeit. Die ist nämlich schon gescheitert, wenn ein Gläubiger nicht zustimmt. In der Zeit kann bereits das Verfahren zum Entzug der Zulassung eingeleitet worden sein. Das Zauberwort heißt deshalb Insolvenzplan: eine Art gerichtlicher Schuldenvergleich. Die Regelinsolvenz ist trotz ihrer Restschuldbefreiung nach sechs Jahren nicht attraktiv. Insolvenzanwälte wollen ihren Mandanten lieber schneller von seinen Verbindlichkeiten befreien. Doch dafür muss dieser etwas bieten. Lebensversicherungen, private Altersvorsorge, Immobilienverkauf einschließlich eines vorzeitig ausbezahlten Erbes können den Gläubigern angeboten werden, um deren Vergleichsbereitschaft zu fördern. Außerdem wird oft eine Zeitspanne vereinbart, in der der Schuldner arbeitet und weiter abbezahlt.

Der Clou: "Einem Insolvenzplan muss nur die Mehrheit der Gläubiger zustimmen", erklärt Anwältin Hartmann. Bei der Abstimmung bestimmt die Höhe der Außenstände beim jeweiligen Gläubiger dessen Stimmgewalt. "Deshalb müssen wir vorrangig diejenigen überzeugen, bei denen der Mandant die meisten Verbindlichkeiten hat".

Die lassen sich bei einem guten Angebot auf den Vergleich durchaus ein. Denn eine Regelinsolvenz samt Verlust der Zulassung kann für Gläubiger nicht wünschenswert sein. Ohne Zulassung gibt es für diese Berufsgruppen kaum Arbeits- und damit Verdienstchancen, um den Schuldenberg abzutragen. "Bei einem durchdachten Plan bestehen trotz des gerichtlichen Verfahrens gute Chancen, die Zulassung zu retten", sagt Hartmann.

Seite 1:

Der clevere Freiberufler schlägt der Insolvenz ein Schnippchen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%