In anderen Staaten müssen Managergehälter im Detail offengelegt werden
Ausländer wissen mehr

Mittlerweile veröffentlichen 21 der 30 Dax-Unternehmen zwar die Gehälter ihrer Vorstände, aber viel schlauer sind die Aktionäre immer noch nicht. Nach wie vor fehlen einheitliche Bewertungsmaßstäbe. In puncto Transparenz sind andere Länder viel weiter.

USA: Börsenaufsicht SEC erhält alle Details
In den USA ist die Offenlegung der Managergehälter seit langem gängige Praxis und geht zurück auf den so genannten Securities Exchange Act von 1934. Danach sind alle börsennotierten Unternehmen verpflichtet, die Entlohnung ihrer Spitzenmanager in einer Mitteilung (Form 8-K) an die Börsenaufsicht SEC zu melden. Nachdem Unternehmen in der Vergangenheit jedoch immer wieder Gehaltsbestandteile wie Pensionszahlungen verheimlicht haben, hat die Aufsichtsbehörde jetzt die Offenlegungspflichten noch einmal verschärft. Danach muss alles auf den Tisch – seien es Boni, Betriebsrenten oder vom Unternehmen bezahlte Krankenversicherungen. Es sei bislang sehr schwer, das ganze Gehaltspaket aufzuschnüren, sagte SEC-Chef William Donaldson kürzlich in einem Interview. „Wir werden deshalb die Anforderungen so verändern, dass man nicht mehr ein Sherlock Holmes (…) sein muss, um die Höhe der Entlohnung zu ermessen.“ Die Höhe der Managergehälter ist in den USA seit Jahren ein Dauerthema. Sie liegen weit über dem Niveau der europäischen Kollegen. So erhielt ein US-Konzernchef 2004 im Schnitt eine Gesamtvergütung von 10,7 Mill. Dollar.

Großbritannien: Weitreichende Transparenz
Großbritannien kann in der Veröffentlichung von Managergehältern als Vorbild dienen. Börsennotierte Unternehmen schlüsseln genau auf, wie sie die einzelnen Vorstände bezahlen und welche Überlegungen der Gehaltspolitik zu Grunde liegen. Die „Renumeration Reports“, oft länger als zehn Seiten, sind fester Bestandteil der Jahresberichte. Sie beziffern feste und variable Gehaltsbestandteile, eingelöste und neu erhaltene Aktienoptionen, Altersvorsorge und sonstige Leistungen. Außerdem erläutern sie genau die Kriterien für die Bezahlung der Manager im kommenden Geschäftsjahr, so dass der Aktionär erkennen kann, wie sich die Gehaltspolitik weiter entwickelt. Rechtliche Grundlage für diese Berichte ist der Companies Act. Er schreibt den Unternehmen schon seit langem die Veröffentlichung der Gehälter vor. Vor knapp drei Jahren kamen zwei Bestimmungen hinzu: Erläuterungen zur Gehaltspolitik und zur Bezahlung im Folgejahr und die Regel, dass die Aktionäre auf der Hauptversammlung über den „Renumeration Report“ abstimmen.

Schweiz: Verschwiegenheit durchbrochen
Seit einer Gesetzesänderung, die der Schweizer Bundesrat 2004 beschlossen hat, müssen die Unternehmen auch im Land der Spitzenverdiener einige Auskünfte geben: börsennotierte Gesellschaften sind verpflichtet, Vergütungen und Beteiligungen der Mitglieder von Verwaltungsräten und der Geschäftsleitung zu veröffentlichen. Einerseits müssen sie nur die Gesamtsumme der Vergütungen aufzählen, die gegenwärtigen und früheren Mitgliedern des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung sowie deren Verwandten bezahlt werden. Andererseits sollen aber die jedem einzelnen Mitglied des Verwaltungsrats geleisteten Beiträge und die höchste auf ein Mitglied der Geschäftsleitung entfallende Vergütung aufgeführt werden. Seither wissen die Schweizer zum Beispiel, dass Novartis-Chef Daniel Vasella 20,8 Mill. Franken im vergangenen Jahr verdient hat.

Frankreich: Offenlegung ist Pflicht
In Frankreich sind börsennotierte Unternehmen seit dem Jahr 2001 verpflichtet, die Bezüge ihrer Manager einzeln offen zu legen. „Es hat damals erstaunlich wenig öffentlichen Widerstand von den Unternehmen gegeben“, sagt Pierre-Henry Leroy, Chef von Proxinvest, einer Beratungsagentur für institutionelle Investoren. Die Firmen würden die Offenlegungsvorschriften ausreichend umsetzen, meint Leroy. Auch die Börsenaufsicht AMF konstatiert nach Analyse der Geschäftsberichte des Jahrgangs 2003 „echte Verbesserungen“. Die Börsenaufseher gehen in ihren Empfehlungen indes weiter als der Gesetzgeber. So will die AMF auch im Geschäftsbericht lesen, wie sich die Bezahlung aus fixen und variablen Bestandteilen zusammensetzt und wie der variable Gehaltsanteil berechnet wird.

Skandinavien: Der gläserne Mananger
Managergehälter und Bonuszahlungen sind ein Dauerbrenner in Schweden. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gibt es im hohen Norden die vollkommene Transparenz: Das so genannte Öffentlichkeitsprinzip macht es jedem Bürger möglich, beim Finanzamt nach dem Einkommen seines Nachbarn zu fragen. Die großen Zeitungen veröffentlichen regelmäßig die Gehälter von Managern. Im Schnitt erhält ein Konzernchef in Schweden etwa 28-mal so viel wie ein gewöhnlicher Arbeiter. Im Nachbarland Norwegen gibt es sogar Homepages der Zeitungen, auf denen mit Einverständnis der Finanzämter ein jeder mit Hilfe des Namens oder der in Nordeuropa gewöhnlichen Personennummer das Einkommen von jedem x-beliebigen Bürger überprüfen kann. Ohne Angabe von Gründen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%