In Rechnungswesen und Controlling schaffen Unternehmen keine Jobs, obwohl neue Regelungen für mehr Arbeit sorgen – eine Studie
Mehr Arbeit, aber nicht mehr Leute

Die Arbeitsbelastung in Finanzabteilungen von Unternehmen nimmt rasant zu. Diesen Trend bestätigen weltweit zwei Drittel aller Unternehmen. Gefragt hat danach die Personalberatung Robert Half Finance & Accounting aus Frankfurt. „International sind sich Finanzchefs einig: In ihren Abteilungen gibt es immer mehr zu tun“, berichtet Sven Hennige, Deutschlandchef von Robert Half.

HB DÜSSELDORF. Jedoch: Das steigende Arbeitspensum führt keineswegs zu neuen Jobs. Nur eine Minderheit der Unternehmen will zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Die Folge: Arbeitsverdichtung. In Deutschland ist die Lage besonders prekär. Hier klagen 84 Prozent der befragten Finanzmanager darüber, dass ihre Mitarbeiter immer stärker unter Druck stehen.

Die Personalberater von Robert Half haben im März weltweit Finanz- und Personalchefs in über 1 500 Unternehmen befragt. Sie wollten genau wissen: Wie entwickelt sich die Arbeitsbelastung? Welche Ursachen und Folgen hat die Veränderung? Wollen die Unternehmen die Zahl der Finanzexperten erhöhen? Welche Qualifikation müssen neue Mitarbeiter haben?

Bei den Ursachen der steigenden Arbeitsbelastung sind sich die Finanzchefs einig. Hauptgrund ist das wachsende Informationsbedürfnis der Kapitalmärkte. Für börsennotierte Unternehmen gelten seit Jahresanfang die internationalen Bilanzierungsregeln IFRS verbindlich, die zusätzliche Arbeit bereiten zur Bilanzierung nach dem Handelsgesetzbuch. Für den amerikanischen Kapitalmarkt gelten zudem die Bilanzierungsstandards US-GAAP sowie das Sarbanes-Oxley-Gesetz. Dieses verlangt auch von europäischen Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen in die USA eine besonders umfangreiche Dokumentation von internen Abläufen und Prozessen.

Auch für den Mobilfunkanbieter E-Plus war die Einführung des IFRS-Standards und die Umsetzung des Sarbanes-Oxley-Gesetzes Hauptursache für das höhere Arbeitspensum. Kees Kerremans, Finanzchef beim Mobilfunkanbieter E-Plus, bestätigt: „Die Arbeitsbelastung unserer Finanzabteilung ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen.“ E-Plus reagierte darauf mit Neueinstellungen. „Wir haben die Zahl der Mitarbeiter in unserem Finanzbereich im vergangenen Jahr um rund fünf Prozent aufgestockt“, berichtet Kerremans.

Damit gehört E-Plus zu einer Minderheit der Unternehmen. Denn die Mehrarbeit schafft keine neuen Jobs, belegt die Studie von Robert Half. Über 70 Prozent der befragten Manager haben in ihren Finanzabteilungen einen Einstellungsstopp verhängt. In deutschen Firmen liegt dieser Wert mit über 80 Prozent sogar noch höher. „Wenn Unternehmen derzeit neue Mitarbeiter einstellen, dann zuerst im Vertrieb“, urteilt Robert-Half-Personalberater Hennige.

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