In vielen Sozietäten fehlen strukturierte Integrationsprogramme
Kanzleien geben neuen Partnern nur selten Starthilfe

Sie kommen und gehen - der Wechsel von Anwälten aus einer Kanzlei in die andere gehört mittlerweile zum Tagesgeschäft. Doch wer den Schritt wagt, muss sich bis heute oft allein durchbeißen.

HB DÜSSELDORF. Obwohl viele Sozietäten längst die Stärke von Großunternehmen haben, existieren nur selten institutionalisierte Programme zur Integration neuer Mitstreiter - und wenn sie vorhanden sind, dann werden sie nicht strukturiert durchgeführt. "Integration", sagt Natascha António, Partnerin bei der Personalberatung Whitehead Mann, "findet nur auf der fachlichen Ebene statt. Ob jemand menschlich in die Kanzlei passt, spielt kaum eine Rolle".

Headhunterin António hat schon viele Jobwechsel begleitet. Ihr Fazit: Die Neuen werden meist sich selbst überlassen. Bestätigt wird das auch von Christoph H. Vaagt, Leiter der gleichnamigen Kanzleiberatung. Vor allem die deutschen Sozietäten hätten auf diesem Gebiet noch Defizite. "Die Amerikaner und die Briten sind da in der Tendenz deutlich weiter. Bei den Deutschen kenne ich nur wenige Fälle, wo sich ein Managing Partner die Mühe macht, sich vom technischen Setup bis hin zum Coaching um eine ordentliche Einführung zu kümmern."

Die Folgen für die Kanzleien können gravierend sein. Denn wer nicht ordentlich eingeführt wird, fühlt sich nicht wohl, wechselt erneut - und nimmt oft gewinnträchtige Mandanten mit. Ganz abgesehen von den Kosten, die die Anwerbung produziert hat. "Man entscheidet sich in den ersten drei Tagen, ob man bleibt", sagt Vaagt. "Wenn in dieser Zeit keine Signale kommen, weiß man meist schon, dass man dort nicht glücklich wird."

Dass "Jobhopping" auf dem Anwaltsmarkt zunimmt, belegen die einschlägigen Branchen-Blätter. Monatlich finden sich Meldungen, welches juristische Schwergewicht wieder einmal den Arbeitsplatz wechselt. Galt der Kanzleiwechsel noch bis Ende der 80er Jahre als ehrenrührig, ist er im Zuge der großen Fusionswelle unter den Sozietäten ab Anfang der 90er Jahre hoffähig geworden. Mittlerweile laufen oft ganze Teams zu einer anderen Law Firm über.

Doch obwohl die Bereitschaft, bei Unzufriedenheit den Arbeitsplatz zu tauschen, größer geworden ist, reagieren viele Kanzleien offenbar nicht mit entsprechenden Maßnahmen. Es gilt noch immer das Motto: Hauptsache der Neue bringt Umsatz. Links liegen gelassen werden vor allem Anwälte, die bereits ein gewisses Renommee mitbringen - und direkt in den Partnerstatus wechseln. "Wer soll die auch einführen", sagt ein Insider. "Die Personalabteilung ist ihnen untergeordnet - und Partner haben dazu weder Zeit noch Lust".

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