Incentive-Programm bei Bayer
Bleibeprämie statt Abfindung

Wie Bayer in den USA versucht, Spitzenkräfte zu halten, die, von der Fusion mit Schering abgeschreckt, das Weite suchen wollen.

BERKELEY. Die Hiobsbotschaft kam via E-Mail. Die Bayer-Standorte West Haven im US-Bundesstaat Connecticut und Richmond in Kalifornien würden bis zu 800 Stellen streichen. Die Umstrukturierung beim Pharmariesen sei nötig, um die Kosten von 17 Milliarden Euro für die Schering-Übernahme finanzieren zu können. Was für viele lang gediente Mitarbeiter das Aus bedeutet, entpuppt sich für einige auserwählte Experten als frohe Kunde. Wurde ihnen doch gleichzeitig ein neues Incentive-Programm angeboten. Ein Programm, das es so in dieser Art in Deutschland bisher nicht gibt. Es handelt sich dabei um Bleibeprämien.

Und das steckt dahinter: Gerade in der Pharmaindustrie, die noch immer hart umkämpft ist, sind Spezialisten wie Wissenschaftler mit Nischenkenntnissen Gold wert. "Es ist klar, dass Bayer durch die Schließung von Standorten seine wertgeschätzten Wissenschaftler leicht vergraulen kann", sagt Kevin Piper, Pharmastratege und Vorsitzender der Health Research Group in Washington D.C. "Das Management von Bayer weiß - wie die Top-Wissenschaftler im Unternehmen: Die Konkurrenz nutzt solche Momente der Konsolidierung nur allzu gerne, um Fachleute abzuwerben." Um dem entgegenzuwirken, wird in den USA den begehrten Leuten oft bis zu einem Netto-Jahresgehalt angeboten, damit sie das - scheinbar leckgeschlagene - Schiff nicht verlassen. Piper: "Ein Gentechniker mit 160 000 Dollar Jahreseinkommen kann damit rechnen, dass er eine Treueprämie von noch mal 160 000 Dollar erhält - nur damit er in der Firma bleibt."

Und so verwundert es nicht, dass Bayer-Chef Werner Wenning erst kürzlich selbstbewusst verkündete, dass die "Schering-Integration planmäßig verläuft". Was er nicht verriet: Bayer verschickt gerade neben Hunderten von Kündigungen Incentives an einige seiner Top-Talente. Ein Unterfangen, das in den USA seit langem gang und gäbe ist. "Keine Firma will seine Top-Talente verlieren", betont Piper.

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