Ingenieur-Mangel
Wer sucht, der findet!

Hundertausend Ingenieure fehlen, klagen deutsche Unternehmen und betreiben dabei Marketing in eigener Sache. Zur gleichen Zeit suchen Tausende Ingenieure vergeblich einen Job - es bedarf keiner großen Fantasie, um Abhilfe zu schaffen.

DÜSSELDORF. Knapp 100 000 Ingenieure suchen Deutschlands Unternehmen. So viel wie noch nie und doppelt so viele wie zu Beginn des Weltwirtschaftsaufschwungs vor vier Jahren. Schenkt man den Unternehmen und ihren Verbänden Glauben, dann buhlen vor allem Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg um Spezialisten im Maschinenbau und in der Fahrzeugtechnik.

Doch kaum berichten Medien wie beispielsweise wir über die große Misere, dann schreiben, mailen und "simsen" uns Ingenieure, Hochschulabsolventen, Abiturientinnen und besorgte Familienväter, dass der große Mangel nur eine Erfindung der Unternehmen sein kann. 30 erfolglose und unbeantwortete Bewerbungen für ein unbezahltes, aber notwendiges Praktikum, um den Ingenieurstudiengang Medizintechnik antreten zu können, sind kein Einzelfall.

Richtig, die Unternehmen suchen den hochqualifizierten, permanent weitergebildeten, geografisch flexiblen jungen Ingenieur mit langjähriger Berufserfahrung. Das alles für weniger als 50 000 Euro im Jahr. Wer mehr fordert, gebunden, älter und obendrein "fehlqualifiziert" ist, weil Autos, Flugzeuge und Heizanlagen vor zehn Jahren noch ganz anders aussahen, guckt in die Röhre. Trotz akuten Mangels. Mehrere Zehntausend Ingenieure suchen derzeit und Monat für Monat vergeblich einen Job.

Um wenigstens in dem einen oder anderen Fall Abhilfe zu schaffen, bedarf es beileibe keiner allzu großen Fantasie. Vorausgesetzt, Umschulung, betriebliche Weiterbildung oder firmenübergreifende Seminare sind kein Fremdwort.

Ansonsten bleibt nur der vage Verdacht, dass einige Firmen und Verbände mit ihren permanenten und medienwirksamen Stellengesuchs-Hilferufen Marketing in eigener Sache betreiben. Getreu dem Motto: Wir expandieren erfolgreich und würden ja gerne einstellen, können aber nicht und müssen deshalb notgedrungen ins Ausland.

Wirklich? Ob Nord-, Süd- oder billigeres Osteuropa: Auch da fehlen Ingenieure. sommer@handelsblatt.com

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