Ingenieure und Informatiker gesucht
Deutschland gehen die Fachkräfte aus

Zuerst die gute Nachricht: Deutschland ist noch immer ein Hochtechnologie-Standort. Nun die schlechte: „Wir befinden uns auf dem besten Weg, diesen entscheidenden Wettbewerbsvorteil aufs Spiel zu setzen“, warnt Alexander Reinberg, Qualifikationsforscher beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Denn bereits auf mittlere Sicht werde es in Deutschland an Fachkräften mangeln.

DÜSSELDORF. Derzeit ist das Problem lediglich überdeckt – drei Jahre Stagnation haben ihre Spuren hinterlassen. Aber: „Wenn das Wachstum zurück kommt, haben wir das Problem wieder“, sagt Hariolf Grupp, stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung, der den jährlichen Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands verantwortet.

Auch wenn die Beschäftigung insgesamt der offiziellen Statistik zufolge weiter sinkt – einige Personalberater spüren schon wieder eine anziehende Nachfrage nach Fachkräften. „Seit Mitte 2003 beobachten wir eine Bodenbildung“, sagt Hans-Rudolf Ulrich, Leiter des Münchener Büros der Personal- und Unternehmensberatung Kienbaum.

Die Innovationsoffensive der Bundesregierung dürfte den Mangel ironischer Weise sogar noch verschärfen. Bis zum Jahr 2010 will die Regierung den Etat für Forschung und Innovation von derzeit 2,5 % des Bruttoinlandsprodukts auf 3 % anheben – womit das Niveau von 1988 wieder erreicht wäre, sagt Grupp. Für die somit neu entstehenden Stellen würden nochmal 100 000 Fachkräfte mehr benötigt, schätzt er.

Grundsätzlich sind es zwei Trends, die den Mangel an gut ausgebildeten Kräften in Deutschland verstärken: die Überalterung der Bevölkerung und die unzureichende Qualifizierung des Arbeitskräftenachwuchses. Denn derzeit seien nicht etwa die jüngeren Arbeitnehmer am besten qualifiziert, sondern die mittleren Alters, sagt IAB-Forscher Reinberg. Diese Altersgruppe gehört den geburtenstarken Jahrgängen an. Wenn sie in Rente gehen, könnten die nachwachsenden geburtenschwachen Generationen die Lücke nur füllen, wenn sie sich deutlich besser qualifizieren würden als die demnächst ausscheidenden Älteren, warnt Reinberg. „Das Bildungsniveau stagniert schon jetzt“, sagt Reinberg. „Die Auswirkungen werden bereits in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren zu spüren sein. Dann verstärkt sich der Mangel an Fachkräften.“

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