Innnovationen
Ingenieurmangel kostet Milliarden

Der wachsende Mangel an Ingenieuren bedroht zunehmend die Innovationsfähigkeit Deutschlands. Davor warnte gestern der Verband Deutscher Ingenieure (VDI). Manfred Wittenstein, Vizepräsident des Maschinenbau-Verbandes VDMA, sieht das Versagen vor allem bei den Konzernen.

HB BERLIN/DÜSSELDORF. „Derzeit kann die Wirtschaft gut 22 000 Ingenieurstellen nicht besetzen – im April waren es erst 18 000“, sagte VDI-Präsident Eike Lehmann. Angesichts des Aufschwungs „dürften es 2007 schon 25 000 sein“. Zusammen mit den in der Folge nicht besetzten Arbeitsplätzen in Handel und Forschung summiert sich der Einkommensausfall nach Berechnungen des Verbandes auf eine entgangene Wertschöpfung von 3,7 Mrd. Euro pro Jahr.

Die Nachfrage ist enorm. Thyssen-Krupp etwa hat im Geschäftsjahr 2005/2006 rund 27 Prozent mehr junge Ingenieure eingestellt als im Vorjahr. „Einen Mangel an genügend geeigneten Bewerbern hatten wir zuletzt in den Bereichen Anlagenbau, Schiffbau und Metallurgie“, sagte ein Unternehmenssprecher. Der Maschinenbauer Gea sucht vor allem Verfahrensingenieure und Anlageningenieure zum Aufbau seiner Anlagen weltweit. „Diese Spezialisten sind knapp und teuer“, sagt ein Unternehmenssprecher. Der Kampf um die Besten werde immer härter.

Auch Zeitarbeitsfirmen wie Randstad und Manpower suchen mehrere hundert Ingenieure. Besonders gefragt seien Fachkräfte im Anlagenbau und in der Flugzeugindustrie. Das Wiesbadener Ingenieur-Unternehmen Rücker hat eigens einen Standort in Rumänien eröffnet, um dort Ingenieure zu akquirieren. In Deutschland kann das Unternehmen 250 offene Stellen nicht besetzen.

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Langfristig sind die Kosten des Ingenieurmangels noch höher. Denn die ausbleibenden Innovationen seien dabei noch gar nicht berücksichtigt, sagt VDI-Präsident Lehmann. Das größte Innovationshemmnis für Firmen sei nicht mehr die Finanzierung, sondern der Mangel an Fachkräften. „Ingenieure und Naturwissenschaftler sind insbesondere für Unternehmen, die wie unseres in einem beinharten weltweiten Wettbewerb auf dynamische Innovationen bei Produkten, Produktion und Prozessen angewiesen sind, das Rückgrat des Firmenerfolgs“, bestätigte Conti-Chef Manfred Wennemer dem Handelsblatt. Das Unternehmen, das in diesem Jahr 400 Ingenieure einstellt, hat 50 offene Stellen in diesem Bereich.

Um die Lücken schnell zu füllen, müssten die Unternehmen noch stärker ältere Fachkräfte integrieren, so der VDI. Die Zahl der arbeitslosen Ingenieure sei seit April 2005 von 65 000 auf knapp 30 000 gesunken. Davon sei knapp die Hälfte älter als 55 Jahre. Einsetzbar seien insgesamt vielleicht 15 000, davon 5 000 Langzeitarbeitslose, schätzt VDI-Direktor Willi Fuchs.

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