Institut für Social Banking
Die Geldverbesserer

Für das junge Institut für Social Banking kommt die Finanzkrise gerade recht: Wer sich am ISB ausbilden lässt, dem geht es um Ethik, nicht allein um den Profit.

Kann man seine eigenen Werte ein Leben lang für einen sicheren Job verleugnen? Diese Frage treibt Martin K. (Name geändert) schon lange um. Auf der einen Seite ist da der gut bezahlte Job bei einer deutschen Geschäftsbank, der die Familie ernährt. Auf der anderen Seite rührt sich sein Gewissen, weil die Renditeerwartungen seines Arbeitgebers ihm allzu hoch erscheinen und er die Geschäftspolitik, die meistens zulasten der kleinen Kunden geht, eigentlich nicht mittragen kann.

Um herauszufinden, ob er den Spagat zwischen Gewissen und Gehalt bis zur Rente aushält, hat Martin K. vor zwei Jahren das berufsbegleitende Masterprogramm "Social Banking und Social Finance" am Bochumer Institut für Social Banking (ISB) begonnen. Das Gewissen hat gesiegt: Nach dem Studium will der Mittvierziger ins soziale Bankwesen wechseln. "Meine Familie steht dahinter, sie ist begeistert, wie gut es mir wieder geht", sagt der Banker.

Dabei wäre er mit seinem neu erworbenen Wissen auch in der konventionellen Bankenwelt ein gefragter Mitarbeiter: Um Moral und Anstand im Geldgeschäft geht es in seinem Studium. Um Werte also, die heute wieder von Bankern verlangt werden. Experten und Professoren fragen sich, wie man dem Nachwuchs die alten Tugenden wieder beibringen kann. Viele Wirtschaftsfakultäten wollen dafür das Fach Wirtschaftsethik ausbauen. Ob zwei Stunden Ethik die Woche dafür reichen, ist indes fraglich. Ausgerechnet ein kleines Institut in Bochum zeigt, wie sich Ethik und Profit miteinander verbinden lassen.

Am ISB geht es um nicht weniger als einen neuen Typus von Bankmanager nach Vorbild der Sozialbanker. Um ihn zu formen, haben zwölf europäische Sozialbanken, darunter große "Ökobanken" wie die deutsche GLS Bank und die niederländische Triodos Bank, aber auch kleinere Institute wie die schwedische Ekobanken, das ISB vor zwei Jahren gegründet.

Sozialbanken bieten, wie konventionelle Geschäftsbanken, sämtliche Bankdienstleistungen, vom Girokonto bis zum Investmentfonds. Anders als diese investieren Sozialbanken jedoch ausschließlich in ökologische und soziale Projekte und Unternehmen. Seit gut 30 Jahren gibt es sie nun, und anders als konventionelle Banken wollen sie immer schon Mitarbeiter, die an den Bedürfnissen der Kunden interessiert sind und für die Profit nicht alles ist. So haben Sozialbanken schon Investitionen in der Biobranche oder im Bereich erneuerbarer Energien finanziert, bevor diese Zweige boomten.

Nachhaltigkeit ist für Sozialbanken wichtiger als schnelle Rendite. Der Ansatz zahlt sich aus: Sozialbanken wachsen aus eigener Kraft und stetig, aufgrund der Finanzkrise derzeit sogar stark. Nach eigenen Angaben verzeichnet die GLS Bank mit ihren bisher 60 000 Kunden nun doppelt so viele Anfragen wie sonst, das Anlagevolumen steigt um zehn bis 20 Millionen Euro wöchentlich.

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