Interessen- und Tätigkeitsschwerpunkte vor dem Aus – Nur Fachanwalts- und Spezialistentitel
Deutsche Anwaltschaft plant verändertes Werbe-System

Die deutsche Anwaltschaft will ihr Werbe-System reformieren. Nachdem bereits bekannt wurde, dass weitere Fachanwaltstitel geplant sind, sollen jetzt offenbar gleichzeitig die Interessen- und Tätigkeitsschwerpunkte abgeschafft werden. Nach Informationen des Handelsblatts ist dies eines der Hauptthemen auf der im November stattfindenden Satzungsversammlung, dem Parlament der Anwaltschaft.

HB DÜSSELDORF. „Die Tätigkeits- und Interessenschwerpunkte werden wir aufgeben und es werden wohl vier bis sechs neue Fachanwaltstitel dazukommen“, sagte Peter Ströbel, Präsident der Rechtsanwaltskammer Stuttgart, dem Handelsblatt.

Ähnlich äußerte sich auch der Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK), Bernhard Dombek. Es gebe „in der Tat einen Trend, sich von den Interessen- und Tätigkeitsschwerpunkte zu verabschieden. In diesem Bereich sollen dann die Werbemöglichkeiten offen bleiben, sie dürfen nur nicht täuschend oder irreführend sein“, sagte er dieser Zeitung. Dombek wie Ströbel sind Delegierte der Satzungsversammlung.

Auslöser für diesen Reformeifer ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Das hatte vor wenigen Wochen erstmals einem Anwalt erlaubt, sich als „Spezialist“ zu bezeichnen und damit das derzeitige System durcheinander gewirbelt, wonach Advokaten bisher nur Fachanwaltstitel (derzeit acht) sowie Arbeits- und Interessenschwerpunkte auf ihre Briefköpfe drucken dürfen.

Einer der Auswege aus diesem Dilemma, den die Satzungsversammlung nun diskutieren wird, ist eine Beschränkung auf zwei Werbemöglichkeiten: zum einen auf den Fachanwaltstitel, zum anderen auf die neue Spezialistenbezeichnung. Dazu werden sowohl die Fachanwaltstitel ausgebaut: Geplant sind zusätzlich Fachanwälte für Baurecht, Medizinrecht, Mietrecht, Verkehrsrecht und Wettbewerbsrecht. Zugleich wird diskutiert, neben dem Fachanwalt zusätzlich Spezialisten in Untergebieten zuzulassen.

Das Urteil des Verfassungsgericht lässt nach Meinung von Experten diesen Weg zu: Zwar hatte Karlsruhe klargestellt, dass die Spezialistenbezeichnung nicht zu einer Verwechselung mit einem Fachanwaltstitel führen darf. Das Gericht sieht in dem Begriff „Spezialist“ aber zugleich eine „Einengung des Berufsbildes“, die mit „der Fachanwaltsbezeichnung nicht ausgedrückt werden kann“. Damit sind Unterspezialisierungen in einem Fachgebiet durchaus denkbar.

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