Interimsmanager
Ein Chef für besonders schwere Stunden

Interimsmanager verdienen heute genauso gut wie festangestellte Führungskräfte. Sie springen auch für Top-Manager ein und müssen immer ran, wenn es heikel wird. Und sind dabei noch zufriedener mit ihrem Feuerwehrmann-Dasein als Festangestellte.

Peter Schindler liebt verfahrene Situationen. Wenn in Betriebsversammlungen Emotionen hochschlagen und keiner mehr weiß, wie es am nächsten Tag in der Firma weitergehen soll, läuft der 47-jährige Jurist zur Hochform auf. Schindler ist Interimsmanager. Seine Spezialität: als Personalchef auf Zeit Unternehmen in schwierigen Umstrukturierungsphasen begleiten, Konflikte entschärfen und binnen weniger Wochen die Weichen für einen Neuanfang stellen.

Wie damals in dem 300-Mann-Betrieb in Hessen, als sich Betriebsrat und Management nur noch Grabenkämpfe lieferten. Nächtelang diskutierte Schindler mit den verfeindeten Lagern, rang als externer Sparringspartner um akzeptable Lösungen für beide – und konnte am Ende die Parteien so befrieden, dass keiner das Gesicht verlor. „Ich habe meine Profession gefunden“, freut sich der Ex-Personalchef der Tierfuttersparte von Nestlé. Trotz häufiger Ortswechsel und langer Arbeitstage würde er seinen Job als Interimsmanager nicht mehr für eine Festanstellung hergeben. „Als freier Unternehmer bin ich nicht mehr so sehr von Konzernpolitik abhängig und kann mich bei meiner Personalarbeit ganz auf die Inhalte und die Menschen konzentrieren“, schwärmt der Kölner.

Mit der Begeisterung für seinen Job steht Schindler nicht allein. Drei von vier Interimsmanagern sind mit ihrer Tätigkeit weitaus zufriedener als mit ihrem Leben als Festangestellte. Das belegt eine Umfrage der Kronberger Interim Managementgesellschaft Ludwig Heuse. 240 freiberufliche Führungskräfte wurden befragt, die im Auftrag von Unternehmen Abteilungen sanieren, restrukturieren oder Vakanzen überbrücken. Zwar müssen sie sich als Einzelkämpfer ständig vermarkten und damit kämpfen, dass sie auch mal ohne einen Auftrag überleben müssen. Doch dafür haben sie einen großen Freiraum, immer neue, abwechslungsreiche Herausforderungen und die Chance, noch jenseits der 50 oder 60 auf dem Arbeitsmarkt gefragt zu sein.

Aber auch sonst haben die Chefs auf Zeit allen Grund zur Zufriedenheit. Ihr Tageshonorar liegt im Schnitt zwischen 750 und 3000 Euro. „Das Gros der Interimsmanager verdient etwa genauso viel wie vorher als Festangestellter“, fand Ludwig Heuse heraus. „Und über ein Viertel bringt mehr Geld nach Hause als vor der Selbstständigkeit.“ Zumal die freiberuflichen Führungskräfte immer stärker nachgefragt werden. „Die durchschnittliche Auslastung eines Interimsmanagers lag im vergangenen Jahr bei 73 Prozent – vor zwei Jahren erst bei 66 Prozent“, so Heuse.

Vor allem aber beginnt sich das Berufsbild Interimsmanager mittlerweile auch in den Köpfen deutscher Personalchefs fest zu etablieren. „Noch vor wenigen Jahren dachten deutsche Personaler ausschließlich an gestandene Sanierertypen mit angegrautem Haar“, erklärt Michael Pochhammer, Managing Partner bei der Personalberatung Signium International Interim Executive vom Schloss Rheydt. „Heute holen sich die Firmen Interim-Profis für eine ganze Reihe von Spezialaufgaben ins Haus.“ Haben doch die Chefs auf Zeit gegenüber unbefristet angestellten Führungskräften einen entscheidenden Vorteil: „Ist das neue Werk in China einmal aufgebaut oder die Finanzabteilung für Basel II fit gemacht, steht der hauseigene Manager weiter auf der Gehaltsliste. Der Interimsmanager aber geht nach Hause“, berichtet Pochhammer.



Seite 1:

Ein Chef für besonders schwere Stunden

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%