International University untersucht Tauschbörsen
Keine Angst vor dem World Wide Web

Als die großen Plattenfirmen 2001 die Abschaltung der Gratis-Tauschbörse Napster vor Gericht erzwangen, knallten in einigen Chefetagen der Musikindustrie schon die Sektkorken. Doch die 70 Millionen registrierten Nutzer der Internet-Plattform, die sich gegenseitig mitunter Raubkopien zuschusterten, waren nur der Anfang. Mittlerweile gibt es Dutzende Internetbörsen wie Morpheus oder Kazaa, die von mehreren hundert Millionen Internetnutzern regelmäßig besucht werden.

HB BRUCHSAL. Die Musikindustrie sieht in diesen Plattformen den Hauptgrund für seit Jahren schwindende Verkaufszahlen. Und hat bisher Schauprozesse gegen einzelne Musikpiraten geführt, anstatt die Chancen der neuen Technologie zu nutzen. „Denn obwohl im Internet das Urheberrecht allzu oft verletzt wird, bergen die Plattformen auch Wachstumspotenzial für die Plattenindustrie“, sagt Martin Peitz, Professor an der International University in Germany, Bruchsal. Vor allem, da die Nutzer jede Menge Informationen über sich preisgeben. Daher könne beispielsweise Werbung zielgerichtet geschaltet werden. Zudem könnten die Plattenlabels frühzeitig erkennen, in welchem Talent ein potenzieller Star schlummert und den Künstler entsprechend fördern.

Gemeinsam mit seinen Studenten erforscht Peitz daher nicht nur, inwieweit die Konzerne unter den Tauschbörsen leiden, sondern auch, wie sie diese nutzen können. Die Studenten übernehmen dabei eigene, kleinere Projekte. Sie untersuchen beispielsweise, wie sich die Musikindustrie verändern wird, ob alte Anbieter vom Markt verschwinden und neue hinzukommen werden. Vor allem kleine Plattenlabels können von den Tauschbörsen profitieren, sagt Peitz. Über das Internet könnten auch noch unbekannte Bands ihre Songs ohne große Kosten vermarkten und sich so eine Fangemeinde aufbauen.

Aber auch die großen multinationalen Konzerne könnten zumindest den Schaden begrenzen. „Mit guten und vor allem günstigen Angeboten können die Unternehmen auch im Internet Geld verdienen“, sagt Peitz. Dies belegt auch der Erfolg von I-Tunes. Die von Apple gestartete und ständig wachsende Internetseite bietet einzelne Lieder zum Download an – gegen Gebühr.

Zukunftstechnologien sind ein Schwerpunkt der jungen Hochschule. Gegründet wurde die International University in Germany erst vor sieben Jahren. Von Beginn an bietet die Hochschule nur Bachelor- und Masterstudiengänge an.

Im aktuellen Wintersemester sind rund 180 angehende Akademiker in Bruchsal eingeschrieben. Die Gebühren für ein Bachelor-Studium liegen bei 10 000 Euro pro Jahr. Insgesamt dauert der Abschluss drei Jahre.

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