Interview mit Konrad Schily, Präsident der Universität Witten-Herdecke
Schily: „Uns fehlen im laufenden Jahr 1 Million Euro"

Es kursieren Gerüchte über eine erhebliche finanzielle Schieflage der Universität Witten-Herdecke GmbH, ja sogar über einen möglicherweise drohenden Konkurs. Was ist dran?

Wir leben von geschenktem Geld und das ist in einer Zeit, in der es allen schlecht geht, nicht leicht zu kriegen. Uns ist es schon mal besser gegangen, aber ein Konkurs steht keinesfalls bevor.

Wie groß ist ihr finanzieller Fehlbedarf aktuell wirklich? Und wann wird es für die Universität Witten-Herdecke wirklich brenzlig?

Uns fehlen im laufenden Jahr 1 Million Euro bei einem Gesamtetat von 28 Millionen. Die Spenden kommen zur Zeit wie von uns vorhergeplant. Eng würde es, wenn die 1 Million uns am Ende des Jahres immer noch fehlt.

In einer hausinternen Mitteilung des WH-Betriebsrates heißt es, dass Sie soeben "betriebsbedingte Kündigungen in erheblichem Umfang angekündigt" haben. Was kommt auf die Mitarbeiter zu?

Ich habe in einer Betriebsversammlung gesagt, dass wir betriebsbedingte Kündigungen dann nicht ausschließen können, wenn die Lage so bleibt, wie sie ist.

Konkret wird an der Universität Witten-Herdecke auch über die Abschaffung von zwei Lehrstühlen spekuliert (Benkert, Walger). Was hat es damit auf sich?

Der Wissenschaftsrat hat uns schon vor Jahren empfohlen, Überschneidungen in den Lehrbereichen zu beseitigen und das Forschungsprofil zu schärfen: ein peer review durch das Centrum für Hochschulentwicklung ist zu dem selben Schluss gekommen. Unsere interne Strategiediskussion hat zu dem gleichen Ergebnis geführt, wir haben das konkretisiert und werden in der Umsetzung zwei Lehrstuhleinheiten abbauen. Dadurch schaffen wir den notwendigen finanziellen Spielraum. Im übrigen gehört zu dieser Strategie auch die für September geplante Besetzung des Lehrstuhls "Capital markets and corporate finance"

Solche Spekulationen, ob zu Recht oder zu Unrecht, deuten unabhängig von den betroffenen Personen auch auf organisationelle Unstimmigkeiten. Deutet sich hier eine strategische Neuausrichtung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an?

Das ist richtig. Die Wirtschaftsfakultät wird sich noch konsequenter als bisher auf ihr Ziel konzentrieren, ein in Deutschland einmaliges selbstverantwortetes Studium zu ermöglichen, mit deutlicher Einbeziehung sowohl der wirtschaftlichen Praxis als auch der kulturellen Grundlagen unserer Gesellschaft. Sie wird neue, internationale Bildungsangebote und Studiengänge starten.

Die Universität Witten-Herdecke ist nicht zum ersten Mal wegen finanzieller Probleme in den Schlagzeilen. Wie kommt es, dass es Ihnen anders als Ihren Konkurrenten wie WHU oder ebs nicht gelingt, einen Zustand dauerhafter finanzieller Stabilität zu erreichen. Anders ausgedrückt: Ist Ihr Geschäftsmodell falsch?

Unser Geschäftsmodell ist etwas komplexer als das einer Business School. Wir sind Modell dafür, dass Studieren in Deutschland auch in traditionell teuren Disziplinen wie Medizin, Zahnmedizin oder Biowissenschaften inhaltlich sinnvoller und effektiver angeboten werden kann. Das Gleiche gilt für die Entwicklung neuer Studienangebote wie z.B. Pflegewissenschaft. Dieses Bildungsmodell (und das ist mehr als ein Geschäftsmodell, daran halten wir fest) wird seit 20 Jahren gesellschaftlich unterstützt und hat zu anerkannten Ergebnissen geführt.

Um unabhängiger von Spenden zu werden hat die Universität Witten/Herdecke begonnen, ihre Aktivitäten in der Weiterbildung und der klinischen Forschung wesentlich auszubauen.

Vor einem halben Jahr erregte auch der spektakuläre Weggang von Uni-Chef Walter Zimmerli Aufsehen. Sie, der WH-Gründungspräsident, wurden als Übervater oder rettende Lotse zurückgeholt. Wie stark ist das Überleben der Universität Witten-Herdecke mittelfristig an Ihre Person gebunden?

Gar nicht. Das Direktorium der Universität Witten/Herdecke hat eine Findungskommission eingerichtet und mich gebeten, bis zur Findung eines neuen Präsidenten die Leitung zu übernehmen.

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