Interview mit Nils Bickhoff
Warum Roland Berger das INSEAD liebt

Wie kein anderes deutsches Unternehmen pflegt das Beratungsunternehmen Roland Berger sehr intensive Kontakte zum INSEAD (Fontainebleau/Singapur), einer der führenden Business Schools in Europa. Nicht nur nimmt man INSEAD-Absolventen gerne als Consultants. Berger hat am INSEAD einen eigenen Lehrstuhl gestiftet und arbeitet auch sonst auf vielfältige Weise mit der Business School zusammen, um das dort produzierte Management-Know-how für sich zu nutzen.

DÜSSELDORF. Das Handelsblatt sprach mit Nils Bickhoff, 34, über Gründe und Hintergründe dieses millionenschweren Engagements. Der promovierte Betriebswirt koordiniert bei Roland Berger die internationalen akademischen Aktivitäten, so auch die Zusammenarbeit mit INSEAD.

Das Unternehmen Roland Berger stiftete im Jahr 2000 einen Lehrstuhl am INSEAD. Warum?

Zum einen sehen wir diese Förderung als Ausdruck unserer corporate citizenship. Zum anderen als Beitrag zur Ausbildung von Top-Leuten - und das an der führenden europäischen Business School.

Können Sie etwas über die finanziellen Konditionen sagen?

Die Förderung geht über fünf Jahre. Insgesamt beläuft sich die Fördersumme auf mehrere Millionen Euro.

So viel Geld gibt man kaum aus reinem Mäzenatentum...

Unser Interesse ist fifty-fifty: Auf der einen Seite geht es um den Imagegewinn an einer führenden Business School und die damit verbundene Attraktivität als potenzieller Arbeitgeber, auf der anderen aber auch um Inhaltliches.

Das heißt, Sie kommen über Ihre Zusammenarbeit auch besser an INSEAD-Studenten heran?

Eindeutig ja. Wobei wir nicht auf die üblichen Präsentationsveranstaltungen setzen, sondern auf Formate wie unseren Workshop "Be a consultant for a day" oder die "Roland Berger INSEAD Business Plan Competition", bei der MBA-Studenten ihre Geschäftsideen den Venture Capital- Gebern vorstellen.

Und Sie werden fündig?

Ja, wir haben im letzten Jahr etwa zehn INSEAD-Absolventen ein Job-Angebot gemacht, womit wir sehr zufrieden sind.

Wie interessant ist das am INSEAD produzierte Management- Knowhow für Sie?

Unser INSEAD-Lehrstuhl ist in unser europäisches akademisches Netzwerk eingebunden. Dazu gehören 15 Lehrstühle, u.a. an den Universitäten von St. Gallen, Bamberg, Hamburg, Rostock, der TU München oder der privaten European Business School (ebs). Mit denen führen wir gemeinsam größere und kleinere Forschungsprojekte durch.

INSEAD-Ideen fließen auch in die Buchprojekte ein, die ich betreue. Wir geben etwa zwei bis drei Managementbücher pro Jahr heraus. An unserem Band „Zukünftige Geschäftsmodelle" (Springer, 2001) hat auch ein INSEAD-Professor mit seinem Team mitgewirkt, zwei weitere Buchprojekte setzen wir gerade mit Professoren vom INSEAD und anderen Teilnehmern des Academic Networks auf.

Und es gibt noch mehr...

Ja. Es gibt unser Fellowship Programm, über das wir zwei Berater im Jahr für dreieinhalb Monate an's INSEAD schicken, wo diese dann in Zusammenarbeit mit INSEAD-Professoren ihre eigenen Forschungsvorhaben vorantreiben können. Diese resultieren entweder in Artikeln oder in INSEAD-teaching cases, die wir dann auch in Berger-internen Schulungen verwenden können.

Professor Berger selbst ist für's INSEAD aktiv...

Seit kurzem ist Roland Berger Chairman des INSEAD National Council Deutschland, dessen Ziel es ist, die Bekanntheit von INSEAD in Deutschland zu steigern, und so auch die Bekanntheit des MBA-Abschlusses allgemein.

Professor Berger ist auch Mitglied des INSEAD-Boards, das kein beratender Beirat ist, sondern ein echter Aufsichtsrat, in dem die strategischen Grundsatzentscheidung und wichtige Personalen behandelt werden. Sehen Sie das INSEAD ein bisschen auch als "Ihre" Business School?

Das wäre übertrieben. Das Board hat mehr als vierzig international hochkarätige Mitglieder. Da hat Roland Berger nur eine einzige Stimme. Aber wer Wichtiges zu sagen hat, der wird auch gehört.

Also doch eine besondere Beziehung zum INSEAD?

Sagen wir es so: Wir setzen auf das INSEAD als führende Business School. Nirgendwo anders sind wir so stark engagiert. Aber diese Kooperation ist nicht exklusiv.

Das heißt, Sie pflegen ähnliche Beziehungen zu anderen Business Schools?

Nicht in diesem Umfang. Aber wird sind auch u.a. am IESE in Barcelona engagiert und an der Said Business School in Oxford. Das ist eine junge Schule, wo wir für uns noch besonderes Potenzial sehen.

Alles europäische Schulen. Die großen US-Schulen interessieren Sie nicht?

Nichts in nennenswertem Umfang. Aber mittelfristig werden wir sicherlich auch auf der anderen Seite des Atlantiks aktiv werden.

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