Investmentbanker
Die satten Boni sind passé

Der Szenetreff der Banker in der Frankfurter City, Living XXL, lädt Ende September zum großen Oktoberfest Special ein: "O'zapft is!". Ob die Massen jedoch zu zünftigem Essen, Maß Bier und Wiesenzelt-Deko strömen werden, ist fraglich. Denn für viele Investmentbanker heißt es: Die fetten Jahre sind vorbei und Arrivederci, Ferrari.

FRANKFURT. Es herrscht in diesen Tagen eine gedrückte Stimmung. Nervosität greift im Bankenviertel um sich. Angesichts der Finanzkrise stellen sich gerade Investmentbanker auf ein Living XL oder gar L ein. Denn die Boni für das laufende Jahr werden nicht so üppig ausfallen, wie das die erfolgsverwöhnten Finanzprofis in den vergangenen drei Superjahren gewöhnt waren.

Dabei schien bis Juli alles in Butter, bis die von bonitätsschwachen Hypotheken in den USA ausgelösten Turbulenzen auch auf Deutschland übergriffen. Börsenhausse, Fusionen und Übernahmen sowie eine lange Pipeline von Unternehmen, die Aktien und Anleihen an die große Investorengemeinde verkaufen wollten, hatten die Gebühreneinnahmen im Investment-Banking rasant in die Höhe getrieben. Noch im ersten Halbjahr lagen die Provisionen mit knapp 1,7 Milliarden Dollar auf Rekordkurs.

Doch das ist Vergangenheit. Aufgeschreckt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der nicht nur Fehler seines Hauses zugab, sondern auch Belastungen des Ergebnisses im dritten Quartal einräumte, schlägt die Gewerkschaft Verdi bereits Alarm: Sie sieht die "Finanzmärkte außer Kontrolle geraten". Ganz so schlimm sieht es aber mit den Provisionseinnahmen im Investment-Banking in Deutschland in den ersten neun Monaten nicht aus. Mit insgesamt rund 2,3 Milliarden Dollar wird das Ergebnis des Vorjahres um eine halbe Milliarde verfehlt.

Pech gehabt, heißt das für so manchen erfolgsverwöhnten Banker, der sich ein größeres Haus, einen neuen Ferrari oder eine weitere Yacht kaufen wollte. Denn in Branchenkreisen erwartet man einen Rückgang bei den Sonderzahlungen um etwa 15 Prozent. Spannend bleibt es bis zur Verteilung des Bonuspools im Frühjahr 2008. "Bei den Boni für das laufende Jahr dürfte deutlich mehr differenziert werden zwischen den verschiedenen Abteilungen und Leuten, als das in 2006 der Fall war", sagt Malcolm Thwaites als Marschroute für die Branche voraus.

Verzweifelte Finanzprofis üben sich am besten in Galgenhumor und lassen sich von Gloria Gaynors Superhit "I will survive" inspirieren. Wie gewöhnlich gut informierte Quellen berichten, rechnen die Schallplattenläden in Frankfurt mit einem Run auf die Compact Disc des Titels. Hoffentlich bleiben die Scheiben ein Ladenhüter. Denn die nächste Krise kommt bestimmt.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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