Investmentbanker
Kein Kahlschlag bei Bankern in Sicht

Wegen der Finanzkrise müssen Investmentbanker für 2007 mit deutlich niedrigeren Bonuszahlungen rechnen. Anders als beim Platzen der New-Economy-Blase zu Anfang des Jahrtausends sind ihre Arbeitsplätze bisher aber noch sicher.

FRANKFURT. „Es ist derzeit noch nicht absehbar, dass in Deutschland in großem Umfang Stellen im Investment-Banking wegfallen“, sagt Sabrina Tamm, Leiterin des Bereichs Investment-Banking bei der internationalen Personalberatung Smith & Jessen in Frankfurt. Trotz des Booms der vergangenen drei Jahre und der damit verbundenen Expansion hätten die Banken kaum Speck angesetzt. Nach wie vor seien die Teams schlank. Hinzu komme, dass man zuletzt qualifizierte Banker nur schwer gefunden habe – die man nun auch nur ungern wieder ziehen lasse. „Insofern besteht in der Branche die Hoffnung, dass die Teams die Krise in der jetzigen Aufstellung durchstehen können.“

Das Platzen der New-Economy-Blase im Jahr 2000 hatte weltweit den Abbau Tausender Stellen im Investment-Banking zur Folge. Betroffen waren vor allem Spezialisten für Börsengänge, aber auch Aktienhändler. So hart dürfte es diesmal für die Branche nicht kommen. Aber zumindest jenseits des Atlantiks mehren sich die Hinweise auf kräftige Einschnitte. So sollen bei Lehman Brothers 1 200 Arbeitsplätze wegfallen, bei Bear Stearns rund 500 und weitere 600 bei Morgan Stanley. Auch europäische Häuser bleiben nicht verschont: UBS kündigte bereits den Abbau von 1 500 Stellen an.

„Gute Leute werden nach wie vor gesucht“, dämpft jedoch Rolf Stokburger, Managing Partner bei Boyden Global Executive Search, die Sorgen hierzulande. Arbeitsplatzabbau sei eher ein Thema in New York und London. Derzeit gebe es in Deutschland sogar Bereiche, in denen bei Banken aufgestockt werde – etwa in der Restrukturierung von Fremdfinanzierungen. Womöglich verzichtete aber manche große US-Investmentbank nun auf den ursprünglich geplanten Personalaufbau. „Ich glaube, dass man Schleifspuren bis Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres wird sehen können“, meint Stokburger.

Weitaus mehr als Schleifspuren dürfte die Finanzkrise allerdings in den Geldbörsen der Investmentbanker hinterlassen. Denn ihre Vergütung ist in aller Regel leistungsbezogen, im Schnitt beträgt das Fixgehalt Experten zufolge lediglich ein knappes Drittel. Mitunter können die Boni sogar das Fünf- bis Zehnfache des Grundgehalts ausmachen. Stokburger geht davon aus, dass hier bei manchem Finanzprofi Einschnitte von bis zu 30 Prozent drohen. „Insbesondere Wertpapier-Händler, Sales-Teams und Capital-Markets-Manager werden die Bonuskürzungen drastisch zu spüren bekommen“, prophezeit der Personalberater.

Dabei hatte es bis in den Juli hinein noch so ausgesehen, als ob 2007 ein weiteres Rekordjahr für die Investmentbanker werden könnte. Allein bei Fusionen und Übernahmen (M&A) kletterte das Geschäftsvolumen laut Thomson Financial um knapp ein Drittel auf gut 140 Mrd. Dollar – ein Allzeithoch. Auch das Geschäft mit Anleihen, Aktien und strukturierten Produkten brummte. Doch die goldenen Zeiten sind vorbei, jetzt wird der Gürtel enger geschnallt.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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