Investmentbanker
Zweifel am Bonussystem

Dass viele Investmentbanker 2008 bestenfalls noch einen mageren Bonus bekommen, ist so gut wie sicher. Doch die Folgen der Krise dürften gravierender sein. Denn das heutige System leistungsabhängiger Vergütung in der Branche wird zunehmend in Frage gestellt. Das Leben der Investmentbanker wird härter.

LONDON/FRANKFURT. „Ich bin mir sicher: Es gibt eine Rückbesinnung“, sagt Ralf Stokburger von der Personalberatung Boyden Global Executive. Es müsse mehr auf das gesamte Abschneiden einer Bank und weniger auf die Leistung des Einzelnen geachtet werden. Vor allem müssten die Boni so gestaltet sein, dass sie zu mehr Nachhaltigkeit führten. Ähnliche Forderungen erhebt Daniel Heller, Direktor der Schweizer Nationalbank. Er plädiert dafür, in guten Jahren einen Teil der Boni einzubehalten. Laufen die Geschäfte weiter gut, wird die Reserve nach und nach ausgeschüttet. Machen die Banker in den Folgejahren aber Verluste, wird das angesammelte Kapital genutzt, um einen Teil des Defizits abzudecken.

In der Tat lassen die heutigen Bonussysteme vor allem viel Luft nach oben – Verlustrisiko nach unten gibt es nicht. Das macht risikofreudig. Ganz egal, ob es um die Verbriefung von fragwürdigen Subprime-Krediten geht oder um riskante Wetten auf komplexe Wertpapiere. „Glauben Sie, Jérôme Kerviel hätte Milliarden verzockt, wenn er auch nur mit einem Zehntel seines Privatvermögens hätte haften müssen“, fragt ein Banker mit Blick auf der Betrugsfall bei Société Générale. Das Thema steht auch am Mittwoch auf der Tagesordnung, wenn das Institute of International Finance (IIF) einen Zwischenbericht über die Konsequenzen der Krise präsentiert. Josef Ackermann, Vorsitzender der globalen Branchenvereinigung, hat bereits klargemacht, dass er Reformbedarf sieht. Der Bonus müsse „atmen“, sagt der Deutsche-Bank-Chef. Ob sich Änderungen allerdings schnell durchsetzen lassen, ist fraglich. Viele Investmentbanken wehren sich gegen Einschränkungen, weil sie fürchten, im Wettbewerb um die talentiertesten Köpfe nicht mehr mithalten zu können.

Doch für viele Banker dürften die Zahlungen bald ohnehin ausfallen. Nach Berechnung der Personalberatung Napier Scott verdienten Londoner Händler bereits im vergangenen Jahr 40 Prozent weniger als 2006. Noch härter traf es Broker an der Wall Street, deren Boni im Schnitt um 60 Prozent einbrachen. Die größten Einbußen mussten in beiden Finanzmetropolen Anleihe- und Kredithändler hinnehmen, deren Märkte im Zentrum der aktuellen Finanzkrise stehen.

„2008 dürfte in den meisten Bereichen ein Desaster werden; entsprechend schwach werden die Boni ausfallen“, warnt ein Londoner Personalberater. „Für viele wird es eher um die Frage gehen, behalte ich meinen Job oder nicht.“ Erst in dieser Woche stellten Morgan Stanley und Oliver Wyman eine Studie vor, die für das laufende Jahr einen Ertragseinbruch der Investmentbanken um bis zu 45 Prozent für möglich hält. Damit würden die Einnahmen der Häuser im zweiten Jahr in Folge fallen. Das war in den vergangenen 20 Jahren nur einmal der Fall, im Zuge der Junkbondkrise in den USA Anfang der 90er-Jahre. „Das Leben für Investmentbanker wird härter“, meint ein Personalberater trocken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%