Jeder dritte Arbeitsplatz wird überwacht
Geheime Spione zerstören die Beweise

Die Chefs des norddeutschen Dienstleistungs-Unternehmens hatten das Nachsehen – auf ganzer Linie: Dem Mitarbeiter, der jeden Tag fünf Stunden im Internet auf Porno-Seiten surfte, statt zu arbeiten, mussten sie auch noch eine hohe Abfindung zahlen. Der Grund: Sie hatten – hinter dem Rücken der Belegschaft – eine Software installiert, die deren Internet-Nutzung überwachte. Prompt wurde einer enttarnt – und fristlos gekündigt.

HB DÜSSELDORF. Doch vor dem Arbeitsgericht erlebten die Unternehmenslenker ein böses Erwachen, berichtet ihr Anwalt Jan Tibor Lelley von der Kanzlei Buse Heberer Fromm in Essen.Die Richter ließen ihre Beweise gegen den Mann nämlich nicht gelten. Der Grund: Die Internet-Überwachung war nicht, wie gesetzlich vorgeschrieben, mit dem Betriebsrat abgestimmt worden.

Der Fall illustriert die teuren Folgen der Gedankenlosigkeit, mit der so manche Manager elektronische Spürhunde einsetzen. „Viele Unternehmen setzen solche Technik ein, ohne sich über rechtliche Probleme Gedanken zu machen“, warnt Arbeitsrechtler Lelley. Denn die Folgen der Unbedarftheit können schmerzlich sein. Das geheime Ausspionieren der Mitarbeiter ist rechtswidrig und auch strafrechtlich relevant. Wer private E-Mails der Mitarbeiter liest, verstößt gegen das Briefgeheimnis. Verletzt jemand auf diesem Weg das Persönlichkeitsrecht eines Mitarbeiters, riskiert er Schmerzensgeld- Zahlungen.

Noch schlimmer für Unternehmen: Halten sie sich bei der Überwachung der Mitarbeiter nicht an die Spielregeln, sind die gesammelten Beweise völlig wertlos. Selbst wenn es um heikelste Dinge wie den Verrat von Geschäftsgeheimnissen an die Konkurrenz geht. Vor Gericht ziehen die Manager dann den Kürzeren. Schützen können sie sich gegen solche Niederlagen nur, indem sie vor Beginn der Überwachung den Betriebsrat einbeziehen und in einer Betriebsvereinbarung festlegen, ob und in welchen Grenzen die private Computernutzung erlaubt ist.

Das elektronische Ausspähen der Computer ist auch hier zu Lande längst Alltag. Jeder dritte PC-Arbeitsplatz wird von den Chefs überwacht, ergab eine Umfrage der Hamburger Unternehmensberatung Mummert Consulting. In zwei Drittel der Unternehmen gibt es keine Regelung, fand Mummert Consulting heraus. Die Sicherheit, in der sich viele Angestellte wägen, ist also trügerisch. Das Programm Spector etwa ist nur ein elektronischer Spion unter vielen: Unbemerkt vom Anwender registriert es alle besuchten Webseiten, speichert E-Mails, macht Passwörter sichtbar und zeigt dem heimlichen Beobachter laufend, was gerade auf dem Bildschirm des Mitarbeiters geschieht.

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