Kampf um den Job
Berufseinsteiger: Die verlorene Generation

Die Wirtschaftskrise trifft vor allem Berufeinsteiger hart. Der Nachwuchs muss mit niedrigen Gehältern und der Ellenbogenmentalität in den Unternehmen klar kommen, wenn es überhaupt zur Einstellung reicht. Bei Kündigungen sind vor allem Neulinge betroffen. Womit Einsteiger rechnen müssen.
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DÜSSELDORF. Wenigstens spendet das Internet ein wenig Trost. In zahlreichen Foren machen sich Uniabsolventen und gefeuerte High Potentials Mut, finden milde Worte für ihr Versagen im Job. Eine Betriebswirtin klagt: "Ich renne von einem Vorstellungsgespräch zum nächsten, aber zum Schluss bevorzugen die Firmen immer jemanden mit mehr Berufserfahrung". Trotz zahlreicher Praktika muss jetzt noch eines die Zeit zum Job überbrücken. Ein Fachkollege "Diplomarbeit 1,3, Referenzen von großen Big Playern" spendet Trost: "Momentan gibt?s eben keine Emotionen, nur der Profit zählt".

Auch Juristen machen sich Luft. Trotz zwei befriedigender Examina klagt ein Absolvent über Gehälter, "die knapp an der Grenze des Hartz IV" liegen. Ein anderer murrt, dass "gerade Juristen als Berufsanfänger teilweise unter finanziellen Bedingungen, die vor kurzem noch undenkbar gewesen wären, arbeiten müssen."

Der Berufseinstieg wird in der Krise zum Problem

Zeugen die Klagen vom Snobismus einer verwöhnten Generation? Oder glückt der jungen Generation der Start in den Job nur zu Dumpinglöhnen, wenn überhaupt? Fakt ist: der Einstieg in den Arbeitsmarkt ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich härter geworden. Unternehmen sparen in der Krise an betrieblichen Ausbildungskosten, mancherorts drohen generelle Einstellungsstopps und eine Verpflichtung als Daueraushilfe.

Damit nicht genug: Die Konkurrenz zwischen den jungen Arbeitssuchenden nimmt mangels freier Stellen zu. Vielerorts gilt das Prinzip der Auslese. Nur die Besten eines Jahrgangs kriegen eine Chance. Ältere Mitarbeiter sehen den Nachwuchs in Krisenzeiten häufig als Konkurrenz und lassen Anfänger aus Angst um den eigenen Job verstärkt abblitzen. Nach einer Umfrage des Beratungsunternehmens Kienbaum, planen knapp 30 Prozent von 500 befragten Unternehmen die Freisetzung von Mitarbeitern.

Wer entlässt, stellt gleichzeitig wenige oder keine Neuen ein. Stattdessen wird die verlorene Arbeitsleistung häufig durch Praktikanten und Angestellte mit befristeten Verträgen kompensiert. Das betrifft vor allem den Nachwuchs. Dr. Johannes Giesecke vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung geht davon aus, dass die Quote von befristeten Verträgen bei Berufseinsteigern in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Mitarbeiter mit befristeten Verträgen sind aber ein ideales Opfer der Personaler. Bei einer Kündigung fallen keine Abfindungen oder rechtlichen Streitereien an.

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