Kampf um Talente
Mit Massage gegen den Brain-Drain

Wie lassen sich gute Mitarbeiter bei der Stange halten? Unternehmen in den USA feuern schnell, verwöhnen ihre Leute aber auch wie nirgendwo sonst. Besonders Firmen in der Provinz ködern Fachkräfte mit praktischen Angeboten und binden sie so langfristig an den Betrieb.

LOS ANGELES. Der Kindergarten von Microsoft in Redmond im Bundesstaat Washington gleicht einer Oase für Nachwuchshacker: Computer für Dreijährige, digitale Spielzeuge zuhauf. Geschultes Personal mit Zugriff auf die neueste Software von Mr. Bill Gates. Kein Wunder, dass die Wartezeit für einen Platz im kostenlosen Babysitter-Hauptquartier häufig bis zu einem Jahr beträgt. „Microsoft ist absolut vorbildlich, wenn es um die Versorgung der wirklichen Nöte seiner Mitarbeiter geht“, konstatiert James Grunelli, Unternehmensreporter bei der „Los Angeles Times“. Die Luxuskita ist nur eine Annehmlichkeit bei Microsoft. Bietet der Softwareriese doch seinen überarbeiteten Angestellten auch einen Lebensmittel-Lieferservice an, damit das Schlangestehen im Supermarkt wegfällt. Sogar Windeln und Handtücher können die Mitarbeiter von einem Subunternehmen kostenlos waschen lassen.

Microsoft steht beileibe nicht alleine da, wenn es darum geht, den Mitarbeitern die Arbeit zu versüßen. Beim Internetsuchdienst Google dürfen die Manager kostenlos in einer Gourmetkantine speisen – wer will, auch ausschließlich lokale Biokost. Ein verspannter Nacken? Kein Problem, ein Anruf genügt, und der mobile Massagedienst rollt ins Büro.

Geht es amerikanischen Angestellten einfach besser als Mitarbeitern in anderen Ländern? Oder verbirgt sich hinter diesen Motivationshilfen womöglich eine genau durchkalkulierte Geschäftsstrategie? Nando Pelusi ist Psychologe aus New York City. Er weiß, dass hinter dem, was in der amerikanischen Geschäftswelt gerne als „Perk“, also als Incentive, bezeichnet wird, tatsächlich weit mehr steckt als nur der gute Wille eines spendablen Vorstands. „US-Firmen in heiklen Branchen wie zum Beispiel dem Haifischbecken High Tech leben in ständiger Sorge vor einem Brain-Drain, einen Abfluss von talentierten Mitarbeitern – womöglich noch zur direkten Konkurrenz. Deshalb verwöhnen sie ihre Angestellten mit diversen Annehmlichkeiten. Immer in der Hoffnung, dass ein kostenloser Kindergarten vielleicht auch die Frau des Softwaremanagers davon überzeugt, dass es bei Microsoft besser ist als bei einem Konkurrenten“, beobachtet der Psychologe.





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Die „Perks“ allerdings beschränken sich längst nicht mehr auf die Internetbranche. Wer bei David Weekley Homes (DWH), einem Unternehmen für Fertighäuser, einen Arbeitsvertrag unterschreibt, kann sich auf einen zehnprozentigen Rabatt beim Kauf eines Hauses und andere Vorteile wie eine kostenlose Refinanzierung des neuen Eigenheims freuen. Und bei Worthington Industries kommt sogar der Friseur an den Schreibtisch. Pharmariese Amgen lockt talentierte Bewerber mit doppelt so vielen bezahlten Urlaubstagen. Und die Angestellten von Outdoor-Bekleider Timberland erhalten eine Finanzspritze von 3 000 Dollar, wenn sie ein umweltfreundliches Hybrid-Fahrzeug kaufen.

„US-Unternehmen sind wirklich sehr kreativ, wenn es um Vergünstigungen für begehrte Jobkandidaten geht. Das liegt oftmals auch daran, dass zahlreiche Firmen in dörflichen Gegenden sitzen, die für viele talentierte Bewerber wenig attraktiv sind“, vermutet Psychologe Pelusi.

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