Kampfmittelräumdienst
Manager im Minenfeld

Frank Masche arbeitet da, wo viele keinen Fuß hinsetzen würden: Er entschärft Sprengsätze in Krisenregionen. Was für viele ein Albtraum wäre, ist für Masche der Traumjob. Doch selbst diese abenteuerliche Karriere hat gute Chancen, hinter einem Schreibtisch zu enden.

Die Arbeit beginnt, sobald der Krieg endet. Dann sorgt Frank Masche dafür, dass aus Schlachtfeldern wieder Äcker werden: Der 39-jährige Berliner säubert den Boden von Minen und Blindgängern. Das klingt gefährlich, ist es aber mit seiner Erfahrung nicht, sagt Masche: „Ich gehe dasselbe Risiko ein wie jemand, der freitags im Kleinwagen über die A9 fährt. Gefährlich wird es erst, wenn du in Routine verfällst und den Respekt vor der Munition verlierst.“

Der Sprengstoffexperte arbeitet für die britische NGO Mines Advisory Group. Er war schon in Kroatien, Afghanistan, Sudan. Jetzt ist er im Süden des Libanons, den Israel während des 34-Tage-Krieges 2006 mit Streubomben übersät hat. Hunderttausende Sprengsätze, kleiner als Tennisbälle, sind nicht explodiert. Im Dorf Schukin ist Masche schon seit April tätig. Quadratmeter für Quadratmeter arbeitet er sich voran. Er dreht jeden Stein um und analysiert: Wie war noch das Wetter während des Krieges? Wind kann Erde über die Sprengsätze geweht, Regen könnte sie weggespült haben. Am Anfang stießen die Räumer jeden Tag auf bis zu 200 Blindgänger; jetzt sind es noch ein oder zwei. Doch Masche zieht erst weiter, wenn der Boden restlos sauber ist. „Unser Ziel ist, den Menschen ihr Land zurückzugeben, damit sie es wieder nutzen können.“

Der Technical Field Manager ist verantwortlich für zwei Teams von je zwölf Männern. „Dazu gehört das Ausbilden der Sucher, Mitarbeiterführung, Planung und Ausführung. Außerdem erledige ich das Entschärfen und Vernichten.“ Den Umgang mit Sprengstoff hat Masche als Soldat der Nationalen Volksarmee gelernt. Nach einem abgebrochenen Jura-Studium wurde er Minenräumer. „Wenn ich ins Bett gehe, weiß ich: Jede geräumte Mine ist ein gerettetes Leben. Das ist ein gutes Gefühl.“ Die nächste Karrierestufe hieße Technical Operations Manager. Masche: „Da würde ich die meiste Zeit hinterm Schreibtisch verbringen.“ Er könnte auch zu einer Uno-Organisation wechseln, die sich mit Minen beschäftigt – seine Erfahrung bei Ausbildung und Führung von Personal würde ihn auch für einen Personaler-Job in der Wirtschaft qualifizieren. Doch Masche winkt ab: „Ich habe meinen Traumjob schon gefunden.“

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