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Forscher und Ingenieure tummeln sich im Süden

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ist Deutschland weiter durch eine unsichtbare geistige Grenze geteilt. Sie trennt nicht etwa Ost und West, sondern den Norden vom Süden - wo sich die innovativen Köpfe der Republik auffällig stark konzentrieren. Die Prognos-Studie ist für den Norden alarmierend: Dort findet sich kein einziger der Top-Ten-Standorte für "Denker" in Deutschland.

DÜSSELDORF. Forscher, Ingenieure und Techniker zeigen dem Norden nach der Ausbildung die kalte Schulter. Dabei sind Denker die Antriebsfeder der Wirtschaft schlechthin. Zu ihnen zählen die hochkreativen Innovateure und Entwickler neuer Produkte und Dienstleistungen wie auch Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler, Techniker und Ingenieure (kurz: MINT).

Jena nimmt unter den Biotopen für Denker den Spitzenplatz ein - dort stimmen einfach alle Bedingungen, die innovative Köpfe brauchen. Bereits im 19. Jahrhundert bildete sich mit dem Zusammenschluss des Unternehmers Carl Zeiss und der Wissenschaftler Ernst Abbé und Otto Schott ein für Jena typischer "Cluster": eine enge Verflechtung von Wirtschaft und Wissenschaft. Die optische Industrie prägt neben der Biotechnologie bis heute die Region. Abgesehen von der Schiller-Universität und der vor 15 Jahren gegründeten Fachhochschule gibt es noch 30 weitere Forschungsinstitute - alles Magneten für Denker. Erfolgreiche Spin-offs schaffen neue Arbeitsplätze für junge Spezialisten und halten sie in Jena.

Zu den zehn Hot Spots für Denker zählen zudem München, der Bodenseekreis, Biberach, Stuttgart, Marburg, Konstanz, Dresden, Reutlingen und Darmstadt. Ihnen allen gelingt eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft.

Trotzdem stellt sich die Frage, warum es der Industrie im Norden nicht gelingt, Denker zu binden. Das Beispiel Daimler verdeutlicht, warum. Der Automobilkonzern hat zwar Produktionswerke für Mercedes-Benz überall in Deutschland verteilt: auch in Bremen, Berlin und in Hamburg. Die Denker des Konzerns aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung aber sitzen im Süden konzentriert am Stammsitz in Stuttgart-Untertürkheim. Und die Stammsitze vieler innovativer Firmen befinden sich nun mal im Süden.

Prognos-Experte Daniel Brünink erklärt, warum: "Bayern und Baden-Württemberg etwa setzen seit Jahren auf Innovationen und unterstützen dabei vor allem ganz gezielt den Mittelstand. Zusammen mit Forschungsinstituten und Zulieferern bilden sich in innovativen Clustern lokale Wertschöpfungsketten." Ein sich selbst verstärkender Prozess.

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