Karriere-Atlas
Zugkraft der kreativen Klasse

Gut leben und zugleich gut arbeiten kann man nicht in allen Regionen. Lebensqualität ist für Führungskräfte aber oft genauso wichtig wie ein Spitzenjob und entscheidet bei der Wahl des Arbeitsplatzes mit.

DÜSSELDORF. Größer könnte der Gegensatz kaum sein. Unerwartet taucht die alte Bergbaumetropole Essen unter den Top Ten der Städte mit hoher Lebensqualität auf, doch im Gesamtranking der attraktivsten Regionen für Fach- und Führungskräfte liegt Essen nur auf Rang 50. Jena dagegen ist das Beispiel für einen Hot Spot im Osten, lebenswert ist die thüringische Universitätsstadt dagegen weniger. Sie liegt weit abgeschlagen auf Platz 121 in der Standortattraktivität. Die Beispiele zeigen: Gut leben und zugleich gut arbeiten kann man nicht in allen Regionen.

Weiche Faktoren wie Urbanität, Internationalität, interessante Arbeitgeber oder Kaufkraft sind zwar nicht allein entscheidend für die Attraktivität einer Region. Allerdings orientieren sich Leistungsträger stark daran, betont Daniel Brünink von Prognos. Arbeitsplatzentscheidungen werden zunehmend nach diesen Fragen entschieden: Gibt es einen renommierten, großen Konzern in der Region? Ist der Wohnort attraktiv für High Potentials wegen seiner Kunst- und Musikszene, wegen der Theaterlandschaft und seines Flairs? Bietet der regionale Arbeitsmarkt genug Optionen, um den Job zu wechseln, nicht aber das private Umfeld? Standorte, die all diese Punkte für sich buchen können, haben beste Chancen, Fach- und Führungspersonal zu binden und aus anderen Regionen anzulocken.

Die Präsenz von Musikern, Malern, Designern, Tänzern oder Schriftstellern gilt als Indikator für ein offenes und tolerantes Klima, das Denker wie Lenker inspiriert und anzieht. Denn kulturelle Vielfalt wirkt positiv auf die Innovationskraft. Selbst eher nüchterne Techies suchen stets die Nähe zu bildenden Künstlern. Die kreative Szene der Bohemians befruchtet andererseits das Wirtschaftsleben.

Der US-Ökonom Richard Florida, Autor des Standardwerks „The Rise of the Creative Class“ entwickelte aus dieser Erkenntnis den sogenannten Bohemian-Index. Dieser misst den Anteil der freiberuflichen Künstler an den Beschäftigten – ein sicheres Indiz für die kreative Anziehungskraft einer Region. Hier können vornehmlich weltoffene Metropolen wie Berlin, Köln, Hamburg und München punkten. Schlusslicht bei der künstlerisch-kreativen Dichte ist dagegen das Emsland. Der Bohemian-Index ist Bestandteil des Prognos-Indexes der Standortattraktivität.

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